Willkommen bei Hans Dieter Schreeb

Arbeit und biografische Angaben

Sie erhalten hier einen Einblick in meine Arbeit und meine Biografie. Lesen Sie über meine Romane Primadonna, Hinter den Mauern von Peking, Hotel Petersburger Hof. Informieren Sie sich bitte über meine Arbeit für Funk, Fernsehen und Theater. Außerdem finden Sie hier alle Kontaktadressen, soweit sie für meine Arbeit wichtig sind.

 

Kulturpreis der Stadt Wiesbaden an Autor Schreeb

(red) WIESBADEN Der Wiesbadener Schriftsteller, Drehbuch-, Theater- und Hörspielautor Hans Dieter Schreeb erhält in diesem Jahr den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden. („Preis zur Förderung des kulturellen Lebens“). Dies beschloss die Jury unter Vorsitz des Kulturdezernenten Wolfgang Herber. Neben dem Kulturdezernenten gehörten Rose-Lore Scholz (CDU), Olaf Bayer (Grüne), Helmut Nehrbaß (SPD), Michael Schlempp (FDP) sowie der Leiter des Kulturamtes, Arno Fischer, der Jury an. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Hans Dieter Schreeb zählt seit vielen Jahren zu den versiertesten Schriftstellern in der Region. Er hat es verstanden, in seinem literarischen Œuvre spannende Erzählungen mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Wiesbaden zu verbinden“, betont Stadtrat Herber und führt weiter aus: „Ich freue mich besonders darüber, dass nach vielen Jahren wieder einmal ein Literat mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wird. Dies unterstreicht auch die positiven Entwicklungen in dieser Sparte, die insbesondere durch die Gründung des Literaturhauses eingeleitet wurden“.

Wiesbadener Kurier
Wiesbadener Tagblatt,
Samstag, 24. September 2005

Auszeichnung

Hans Dieter Schreeb erhält Kulturpreis 2005

Wiesbaden. Der Kulturpreis 2005 geht an den Wiesbadener Schriftsteller, Drehbuch- , Theater- und Hörspielautor Hans Dieter Schreeb. Das teilte der Kulturdezernent Wolfgang Herber (SPD) am Freitag mit. Der Termin für die Verleihung steht noch nicht fest. Der ›Preis zur Förderung des kulturellen Lebens‹ ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Jury entschied sich laut Herber für Schreeb, weil er »seit vielen Jahren zu den versiertesten Schriftstellern in der Region gehört«. Er habe es verstanden, spannende Erzählungen mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Wiesbaden zu verbinden. So in dem Buch ›Millionenstudien‹, wo es um die Erlebnisse von Eduard Douwes Dekker alias Multatuli in der Wiesbadener Spielbank geht. Weitere Werke Schreebs sind ›Hotel Petersburger Hof‹, ›Hinter den Mauern von Peking‹ und ›Primadonna‹.

Frankfurter Rundschau, 24. September 2005

Kulturpreis der Stadt Wiesbaden an Autor Schreeb

(red) WIESBADEN Der Wiesbadener Schriftsteller, Drehbuch-,Theater- und Hörspielautor Hans Dieter Schreeb erhält in diesem Jahr den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden. („Preis zur Förderung des kulturellen Lebens“). Dies beschloss die Jury unter Vorsitz des Kulturdezernenten Wolfgang Herber. Neben dem Kulturdezernenten gehörten Rose-Lore Scholz (CDU), Olaf Bayer (Grüne), Helmut Nehrbaß (SPD), Michael Schlempp (FDP) sowie der Leiter des Kulturamtes, Arno Fischer, der Jury an. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. „Hans Dieter Schreeb zählt seit vielen Jahren zu den versiertesten Schriftstellern in der Region. Er hat es verstanden, in seinem literarischen Œuvre spannende Erzählungen mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Wiesbaden zu verbinden“, betont Stadtrat Herber und führt weiter aus: „Ich freue mich besonders darüber, dass nach vielen Jahren wieder einmal ein Literat mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wird. Dies unterstreicht auch die positiven Entwicklungen in dieser Sparte, die insbesondere durch die Gründung des Literaturhauses eingeleitet wurden“.

Wiesbadener Kurier
Wiesbadener Tagblatt,
Samstag, 24. September 2005

Frau mit Pelz

Volksstück

In diesem Volksstück von Hans Dieter Schreeb geht’s ums Sterben und Erben, wobei beides komplizierter ist, als man auf Anhieb denken würde.

Um die Personen vorzustellen: Die alte Frau Runkel wohnt schon seit Jahrzehnten in einer kleinen Wohnung unterm Dach und kann sich nur noch schwer bewegen; der Gang zum Clo ist für sie schon ein Ausflug. Ihre einzige Passion ist das Fernsehen, speziell Krimis. Außerdem tratscht sie gerne mit Karl Koehler, einem geschwätzigen, gutmütigen und bauernschlauen Menschen. Seine Frau, das Friedchen, und seine Schwägerin, die Edith, betreuen die alte Frau Koehler, bringen ihr drei Mal am Tag Essen rauf, einmal warm, zweimal kalt. Im Hauptberuf betreiben die Koehlers im Erdgeschoss des Hauses ein ›Wasserhäuschen‹, eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Kiosk.
Ansonsten ist noch Erwin Limbach für die Geschichte wichtig. Er ist Polizist, Hausbesitzer und Herzensbrecher und sehr von sich eingenommen. Bei Frau Koehler hat er neuerdings einen Stein im Brett, wobei die Stein und Bein schwört, sie würde niemals… Edith, ihre Schwester, schüttelt sich sogar bei dem Gedanken, sie mit Limbach ... Edith hat ihrerseits ein Verhältnis mit einem Italiener, der sie auf Händen trägt. Und mit dessen Bruder. Aber das Wahre ist das alles nicht.

Was nun das Sterben angeht: Im ersten Teil der Geschichte ist Frau Runkel zweimal ›scheintod‹ (tatsächlich eine exakt umrissene medizinische Kategorie!) und endlich tot. Man kann sich vorstellen, wie viel Aufregungen mit dem jeweiligen Hinscheiden und der jeweiligen Auferstehung verbunden sind.
Im zweiten Teil, nachdem Frau Runkel dieses Jammertal definitiv verlassen hat, geht’s um das Ölbild ›Frau mit Pelz‹, ein etwas schwüles Gemälde, ein echter Rauch. Es zeigt möglicherweise Frau Runkel in jungen Jahren und ist das einzige Wertstück, das sie hinterlassen hat. Zu Lebzeiten hat sie es – mehrfach und unter Zeugen! – den Koehlers versprochen, aber die haben natürlich nichts Schriftliches in der Hand. Nun beansprucht es die Tochter von Fran Runkel. Sie ist eine kleine, giftige Person, Lehrerin. Das sagt wohl alles. Karl trickst und lügt, wie man es von ihm erwarten kann, und die Dinge verwirren sich mehr und mehr. Man sieht sich schon im Gefängnis, dann kommt es zu einer verblüffend einfachen Lösung … Auch Ediths Herzensangelegenheiten ordnen sich und sogar die ihrer Schwester.

Insgesamt ist ›Frau mit Pelz‹ bei aller Turbulenz auch realistisch

Spaßgesellschaft

Ein Sittenbild

Inhalt dieses teils heiteren, teils bitteren Stücks: Eine Liebe blüht auf, eine ›Beziehung‹ steht auf der Kippe, ein Ex-Ehemann wird auf seinen Platz verwiesen und ein alter Mann stirbt. Ansonsten sieht man, wie bei der Firma ›Bragg Germany‹ gedacht und gelacht wird.

Alles ereignet sich während des Betriebsfests von ›Bragg Germany‹. Der Betrieb produziert ›Umwelttechnik‹ und hieß früher, in den goldenen Zeiten der Firma, ›Hahnemann und Lüscher‹. Im Verlauf des brutalen Wettkampfs auf den Weltmärkten wurde man von Bragg International aufgekauft und, welche Demütigung, ausgerechnet Zwolle, also ›Bragg Netherlands‹ unterstellt.
Man feiert auf einem völlig unatmosphärischen ›Aussiedlerhof‹.
Der Zuschauer sieht nur einen Ausschnitt des großen Treibens – eine Ecke in der Nähe der Getreidesilos, in der es sich das Departement ›Communication‹, früher Presseabteilung, gemütlich macht: glatter Betonfußboden, Metalltüren zu Silos und Vorratsräumen als Hintergrund usw. Alles ist mit Weinranken aus Plastik verhübscht. Es sind zwar Sonnenschirme aufgebaut; die Sonne knallt aber unerbittlich auf die Akteure. Ansonsten einige Klapptische und -bänke. Getrunken wird Bier, Sekt und Wein, Cola und Wasser. Den Wein gibt’s aus Literflaschen, Bier aus einer kleinen Zapfanlage.
Wesentlich für Stück und Stimmung sind überdimensionale Lautsprecher. Aus ihnen quellen Musik, Reden der Betriebsleitung, Durchsagen und Witze eines unfähigen Conférenciers.

In der Abteilung Communication, der früheren Presseabteilung, sind die Außenseiter der Firma, die sogenannten ›freischaffenden Künstler‹, versammelt. Werner Niggemann, 32, der Stellvertreter des Abteilungsleiters, führt hier gegenwärtig das große Wort. Der Abteilungsleiter selbst ist zurzeit in Kur und es ist zu wünschen, dass er da auch bleibt. Niggemann ist der Frauenheld der Abteilung, wenn nicht der ganzen Firma.
Petra Kinkel, 26, ›Team Assistent‹, immer ein lockeres Mundwerk und gute Tänzerin (kein Betriebsfest, bei dem sie nicht auf dem Tisch tanzt!), behauptet, sie würde Niggemann nicht nehmen und »wenn ihr ihn mir auf den Bauch bindet«. Na ja! Gegenwärtig hat Niggemann anscheinend ‘was mit Frau Soukakis, der Sexbombe der Poststelle, verheiratet und zwei kleine Kinder, aber so was stört ihn ja nie.

Der Rauschgoldengel

Ein heiteres Weihnachtsstück Diese Geschichte spielt an einem Tag – an einem Heiligen Abend – und kommt mit vier Personen aus, mit Harald Reißmüller, einem in sich gekehrten jungen Mann, seiner Mutter Dagmar, egozentrisch und egoistisch, mit Sigi, Dagmars gegenwärtigem Liebhaber, und mit Iris, einer jungen Frau, die aussieht wie ein Weihnachtsengel und womöglich auch einer ist. Sie setzt die Geschichte in Bewegung und hält sie in Bewegung und macht aus einer möglichen Weihnachts-Tragödie eine Komödie. Mit Happy End. Iris Schwartz, 25, der Rauschgoldengel, hat lange blonde Haare, ist schlank, rank, witzig. Aus dem Stegreif erfindet sie ganze Dramen. Anfangs nimmt man ihre Erzählungen für bare Münze, dann kommt man dahinter, dass sie viel Phantasie besitzt und endlich merkt man, dass es ihr Spaß macht, die Rollen zu wechseln wie andere die Kostüme. Tatsächlich ist sie Drehbuch-Autorin mit Hochschulabschluss. Im Augenblick ist sie ohne Job und ohne Auftrag. Deswegen verdient sie sich ein wenig Geld als Verkäuferin von Weihnachtsbäumen. Der Mann, den sie bezaubert, ist Harald Reißmüller, 34, Erdöl-Ingenieur. Er arbeitet jeweils mehrere Wochen am Stück auf einer Bohrinsel vor Norwegen. Danach hat er mehrere Wochen Urlaub, die er am liebsten in seiner weitläufigen Berliner Wohnung verbringt – »als Mönch mit Schweigegelübde«, wie seine Mutter das nennt. Dabei ist Harald in Wirklichkeit ein freundlicher, ruhiger, klar denkender Mensch, der eben sparsam mit seinen Worten umgeht. Er hat sich geschworen, allzeit das Gegenbild seiner Mutter sein. Ihre Liebes- und sonstigen Dramen waren ihm immer ein Gräuel; lieber verzichtet er generell auf Liebe, als so etwas zu kopieren. Er denkt nicht darüber nach, warum Iris ausgerechnet ihn mag, nimmt es nur glücklich hin. Wunder gehören nun mal zu Weihnachten. Dagmar Reißmüller, 51, seine Mutter, hat, wie angedeutet, bewegte Jahre hinter sich. In ihrer Jugend war sie eine ›rassige Schönheit‹, Stewardess bei verschiedenen großen Airlines und insofern hat sie eine Menge von der Welt gesehen. Jetzt, da sie im zweiten Frühling ist, ist sie immer noch ›rassig‹, hat immer noch Männergeschichten und kurvt immer noch gern in der Welt herum. Eigentlich wollte sie Weihnachten auf einem Luxusdampfer unter dem ›Kreuz des Südens‹ verbringen, aber Sigi, ihr gegenwärtiger Liebhaber, hat sich ›entpuppt‹, aber so was von entpuppt … Kurz entschlossen, hat Dagmar die teure Reise abgebrochen und taucht als liebende Mutter bei Harald auf.

Neuer Roman in Arbeit: ›Äquatortaufe‹

Hans Dieter Schreeb arbeitet an seinem neuen Roman ›Äquatortaufe‹.

Suchte man für dieses Buch einen Untertitel, so könnte er lauten: ›Liebe in wirren Zeiten‹.

Im Kern wird das Schicksal zweier Frauen erzählt: das von Nelly Caspary und ihrer beinahe gleichaltrigen Nichte Karla Marché. Und erzählt werden die vierzig Jahre zwischen 1914 und 1954.

Der Roman zeigt Frauen, die sich alles von der Liebe und den Männern erwarten, und Männer, die sich ihr Glück von der Politik und in der Politik erhoffen.

Die Geschichte ist, beinahe zu gleichen Teilen, in Deutschland und in Brasilien angesiedelt. Genauer gesagt: Sie spielt zu großen Teilen in Ingelheim am Rhein, einer alten Weinbaugemeinde in Rheinhessen, und in Rio Grande do Sul, der südlichsten Provinz Brasiliens, einem wilden, rauen Land. Hier wie da sind die handelnden Personen zum größten Teil Deutsche. Das Brasilien, das gezeigt wird, ist genau so vergangen wie das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, das Dritte Reich. Ja, selbst die Fünfziger Jahre haben sich bereits verflüchtigt und nur einige Klischees hinterlassen wie das ›Wunder von Bern‹ und die ›Buttercreme-Torte‹. Entsprechend wird für die jüngeren Leser vieles neu sein, bei den älteren wird sich ein ›Deja-vu‹-Erlebnis einstellen.

Insgesamt ist die Geschichte wie die beschriebene - Tragödie und Komödie gleichzeitig. Alles ist überspitzt und überhitzt. Wirre Zeiten sind eben unübersichtlich, gewalttätig, chaotisch, und die Menschen, die sie erleben, werden unweigerlich in die allgemeinen Narreteien verstrickt, die später von den Schulkindern als ›Weltgeschichte‹ gepaukt werden müssen.

Oder, wie es Joseph Joubert formuliert hat: »Revolutionen sind Zeiten, in denen der Arme seiner Rechtschaffenheit, der Reiche seines Reichtums und der Unschuldige seines Lebens nicht sicher ist.«

Nelly Caspary wird - sozusagen durch Zufall - Anfang April 1914 in der Nähe von Bento Gonçalves in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul geboren, auf dem Weingut ihres Halbbruders Viktor Caspary und ihrer Schwägerin Téris.

Sie wächst teils in Brasilien, teils in Deutschland auf. Als Erwachsene ist Nelly eine kleinere, muntere Frau, unkonventionell, mutig und immer für die Liebe bereit.

Was man mitbringen muss... Ein Interview mit Hans Dieter Schreeb

Hessischer Rundfunk: Herr Schreeb, Sie haben nebst vielen Büchern, nebst vielen Hörspielen und Fernsehserien auch Tatort-Drehbücher geschrieben, eine Arbeit, die häufig erwähnt wird, wenn über Sie gesprochen wird. Aber eine Arbeit, wie Sie mir im Vorgespräch erzählt haben, auf die Sie gar nicht so gerne zurückblicken. Warum ist das so? HDS: Ach, ich will nicht sagen, dass ich nicht gerne darauf zurückblicke. Es ist einfach eine Arbeit unter anderen. Das wollte ich ausdrücken – ein Fernsehspiel ist ein Fernsehspiel. Ob da ein Kommissar mitspielt, ob da gar Kommissar Palu mitspielt, ist letzten Endes für den Autor unwichtig. Entscheidend ist, dass ihm interessante Figuren, interessante Handlungen gelingen. Ob jemand rechts oder links hernieder sinkt, ist letzten Endes für den Autor unerheblich. HR: Was sind Ihre Zutaten für einen guten Tatort, ein gutes Tatort-Drehbuch? HDS: Na, ich hoffe das, was ich überall einbringen kann – eine besondere Sicht auf die Figuren, auf die Menschen, auf das, was sich da abspielt... HR: Nun haben Sie auch historische Romane geschrieben, bei denen sicher eine umfangreiche Recherche von Nöten war. Beim ›Bader von Mainz‹ dreht’s sich ums Mittelalter, das Leben im Mittelalter und in der Stadt Mainz. Wie sammeln Sie dafür Informationen? HDS: Das Buch spielt nicht im Mittelalter. Das Mittelalter umfasst tausend Jahre. Mein Buch spielt im Jahre 1358. Das ist ganz wesentlich für das Buch. Alles, was die Leute, die damals lebten, wissen konnten, finden Sie in diesem Roman. Was sie nicht wissen konnten oder was lange zurücklag, in mythischer Vorzeit sozusagen, kommt nicht vor. Es ist eine sehr eingeschränkte Sicht, ein klarer Ausschnitt einer Zeit, zu der ich mich entschlossen habe. Meine Grundüberlegung ist immer die: Auch die Menschen, die vor uns gelebt haben, haben ihr Leben gemeistert. Wenn Sie die Menschen also ernst nehmen und nicht nur als Spielfiguren betrachten, wenn Sie sagen, sie gehen durch dieses Jahr, diese Stadt und diese Landschaft, dann, meine ich, können Sie eine Geschichte erzählen, die wahr ist und als wahr empfunden wird. HR: Und wie haben Sie herausgefunden, was die Menschen in den 1350’iger Jahren gewusst haben? HDS: Ach, das ist eine reine Fleißarbeit. Heute gibt es zu jedem Thema sehr viel Sekundärliteratur – Sie können herausfinden, was die Leute angezogen haben. Damals wurde gerade die Hose erfunden, das war für die Schneider eine sehr komplizierte Sache. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Mühe es macht, eine Hose zu schneidern, wenn es vorher keine Hose gab...

Patienten gibt’s

Serie, dreizehn Folgen, ZDF

Merkwürdigerweise handeln die meisten Krankenhausserien nur von Ärzten und Schwestern, obwohl diese beiden Gruppen schon rein zahlenmäßig in der Minderheit sind. In dieser Serie haben zwei Patienten aus Zimmer 101 – der ehemalige Schiffskoch Brenner und der agile Lexika-Vertreter Heck die Hauptrollen. Sie agieren in einem Krankenhaus, wie es überall in Deutschland stehen könnte: mit Ärzten, die hinter dem Geld her sind, mit Schwestern, die hinter Ärzten her sind, und mit Patienten, die unbedingt ›’raus wollen‹. Sie agieren somit in teils komischen, teils nachdenklichen, aber immer in für die Autoren Thiemt und Schreeb typischen Geschichten.

Auch Ullstein-Taschenbuch Nr. 20503

Leseprobe:

Wiebel klopfte ihm mit seinen Marzipanfingern auf die Wange, erst zart, dann kräftiger.

»Herr Heck, Visite!«

Heck schlug wunschgemäß die Augen auf. Das erste, was er erblickte, war Fräulein Busse. Die brave Schildwacht saß an seinem Bett und strickte.

»Na, Fräulein Busse, lassen wir schon wieder fleißig die Nadeln tanzen?«, ärgerte er sich grundlos und ungerecht.

Ihr Gesichtsausdruck wechselte. Die demütige Zuneigung, die sie eben noch gezeigt hatte, verschwand wie ausgeknipst. Bestürzung und eine Spur Dummheit erschienen.

Sie erhob sich gekränkt und begann, ihre Wolle, den halbfertigen Pullover, die Nadeln und das Metermaß einzupacken. Sie stopfte alles in einen Rotkäppchenkorb aus geflochtener Weide, einem unpraktischen Ding. Das Wollknäuel hakte sich an einem vorwitzigen abgesplitterten Span fest. Als sie daran zerrte, rutschte ihr die Wolle aus der Hand, rollte unters Bett, wickelte sich dabei ab.

»So habe ich es doch nicht gemeint«, entschuldigte sich Heck halbherzig.

Fräulein Busse, die um das Bett herumrutschte und mit langem Arm nach der verschwundenen Wolle tastete, würdigte ihn keiner Antwort.

Brenner konnte es nicht mit ansehen: »Herr Heck, Sie verdienen gar nicht, Sie Stoffel ...«

Dr. Lauritz kam, von seinen Getreuen begleitet, forsch ins Zimmer: »Tag, meine Herren.«

»Tag, Herr Doktor.«

Kur und Badeleben - Über Badeorte, Badmamsellen und über das Baden als solches

Man stelle sich vor: Beim gemeinsamen Bad beratschlagten die Mitglieder des Bundeskabinetts, wie die ›Gesundheitsreform‹ doch noch zu einem Jahrtausendwerk verbessert werden könne. Man stelle sich weiter vor, bei diesem Bad seien Männlein wie Weiblein nackt, höchstens eingehüllt in heiße Dämpfe, oder schritten, das Badetuch wie eine Toga um sich gelegt, nachdenklich auf und ab, jedes neue Argument bedenkend und wägend.

Zu römischen Zeiten, ja noch vor ein paar hundert Jahren hätte niemand bei dieser Phantasie Erstaunen gezeigt. Denn seit der Antike wurden die Wonnen des Badens geschätzt und mit dem Nützlichen und Notwendigen verbunden.
Das Mittelalter, nie so dunkel, wie es gern hingestellt wurde, kam nicht ohne das Badhaus aus. Es war halb Heilstätte, halb Vergnügungsort – hier wurden Zähne gezogen, Knochen gerichtet, Verträge geschlossen, die Badedirnen umarmt und Ehen ›eingebadet‹. Der ›Badpfennig‹ stand den Handwerksgesellen wie selbstverständlich zu.

Als die Badhäuser aus unterschiedlichen Gründen aus der Mode kamen, erfreuten sich die ›Wildbäder‹ wachsender Beliebtheit. Seit dem vierzehnten Jahrhundert bemühten sich Bürger und Adlige, Landesherren und die Kirche gleichermaßen, mineralhaltige Quellen nutzbar zu machen.
Der berühmteste Brief aus einem solchen Bad stammt von dem italienischen Humanisten Poggio Bracciolini. Er beschrieb seinem Freund Niccolò Niccoli das fröhliche, ausgelassene Treiben von Baden im Aargau, das er 1416 wegen seines Gichtleidens kennen gelernt hatte.
Spätestens seit dem 16. Jahrhundert interessierte sich die Medizin nachhaltig für die Wohltaten des Wassers. Das Baden im Thermalwasser oder - immer häufiger auch die Trinkkur - wurde bei Haut- und Gelenkerkrankungen ebenso wie bei Magen-Darm-Problemen oder Schlaganfällen zum probaten Heilmittel erklärt.

Charlotte

Wenn ich mir eine Scheibe Brot röste, denke ich an sie; vielleicht nicht immer, aber meistens. Manchmal muss ich nur einen Toaster im Schaufenster sehen, schon fällt sie mir wieder ein – Charlotte, die erste Frau, mit der ich Tisch und Bett teilte.

Das ist ein halbes Jahrhundert her. Ich war damals Anfang zwanzig, junger Redakteur des Südwestfunk-Werbefernsehens in Baden-Baden, sie einige Jahre älter und Cutterin mit einem gewissen Nimbus. Nichts sprach dafür, dass ausgerechnet wir ein Paar werden sollten. Ich trat damals auf wie ein gesetzter älterer Herr (immerhin hatte ich einige prägende Jahre in einem Bischöflichen Konvikt hinter mir), sie wie eine Frau aus den goldenen Zwanzigern. Sie war der ›Garçonne‹-Typ wie aus dem Bilderbuch, selbstbewusst, ohne viel Rücksicht auf die Meinung anderer. Auch finanziell war sie unabhängig; die Arbeit, die sie machte, brauchte sie nicht. Sie besaß eine Villa am Wannsee und den neuesten DKW 3=6 mit sagenhaften 40 PS und Lenkradschaltung. Eigentlich wollte sie sich immer einen Sportwagen zulegen. Ich riet dringend davon ab. Unpraktisch! Viel weniger Auto für viel mehr Geld! Ich darf mir gar nicht vorstellen, wie sich mein Leben entwickelt hätte, hätte sie nicht auf mich gehört und wir wären mit offenem Dach an die Riviera gefahren oder nach Spanien, das von den Trendsettern damals gerade entdeckt wurde.

Aber auch in ihr steckte offenbar viel Bürgerliches. Wenn ich nur daran denke, wo und wie wir Urlaub machten: Einmal in einer französischen Familienpension in Vichy; so typisch französisch, dass sie in jeder ›Monsieur-Hulot‹-Komödie hätte vorkommen können. Um acht Uhr abends wurde gegessen; es gab erst was, wenn alle an ihrem Platz saßen und während des Essens wurde über Gesundheitsprobleme, das Wetter und die Familie gesprochen. Die deutsche Besatzungszeit wurde aus Rücksicht auf uns ausgeklammert, nicht ganz einfach in Vichy, immerhin während des Krieges Sitz der den Nazis zugeneigten Pétain-Regierung. Ein anderes Mal haben wir vier Sommerwochen in der Bretagne verbracht. Ich werde nie vergessen, wie viele Sorten Besteck dazu gehörten, die riesigen Platten ›Meeresfrüchte‹ korrekt zu verputzen. Selbst Hummer lagen wie selbstverständlich auf den Platten, die es damals gab, und die Austern wurden auf silbernen Etageren serviert, kleinen Weihnachtsbäumen ähnlich.

Moselbrück

Familienserie, Südwestfunk

Die Serie beschreibt das Leben der Winzer an der Mosel. Sie erzählt somit von Menschen, für die der Wein seit Jahrhunderten das Leben bedeutet - von Menschen, die ungewöhnlich konservativ sind, an dem hängen, was sie haben, und es gegen Veränderungen hartnäckig verteidigen. Aber ›Moselbrück‹ ist nicht nur eine Winzer- und Familiengeschichte – die Serie schildert auch viel Alltag im alten Grenzland zwischen Deutschland und Frankreich. Und zwar diesseits wie jenseits der Grenzen, im romantischen Tal der Mosel, im alten Metz und in den Industrierevieren Lothringens ...

Hauptschauplatz ist das Weingut Zerfass in ›Moselbrück‹, einem romantischen Fleck an der Mittelmosel. Seit Generationen befindet sich das Gut im Familienbesitz. Da stirbt der Winzer – wird ›völlig überraschend aus dem Leben gerissen‹. Nach seinem Tod versuchen seine Witwe Hanna, seine Söhne und sein Bruder mit-, aber auch gegeneinander das Beste aus dem Gut und der Situation zu machen. Es stellt sich schnell heraus, Tradition allein garantiert keinen Wohlstand: Das Weingut Zerfass steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten, Hanna muss um seine Existenz kämpfen. Auch gegen ihren Schwager, den renommierten Weinhändler Ludwig Zerfass, der ihr das Leben durch Ränke und Intrigen schwer macht und der das Gut ›schlucken‹ möchte. Glücklicherweise taucht der Betriebshelfer Leo Römer auf. Es stellt sich bald heraus, dass er nicht nur für das Gut eine große Hilfe ist, sondern auch Hanna sehr viel bedeuten könnte ...

Liane Hielscher verkörperte Hanna Zerfass, die Hauptfigur der sehr populären Serie, die schon mehrfach in der ARD ausgestrahlt wurde.

Idee und die Drehbücher der ersten zehn Folgen von Hans Georg Thiemt und Hans Dieter Schreeb.

Der Roman ›Moselbrück‹ erschien sowohl im Hardcover wie im Taschenbuch bei Ullstein. (Ullstein-Taschenbuch Nummer 22090.)

Welt am Sonntag: »Ein Roman aus der Welt der Winzer und Weinhändler, der gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Mosellandschaft ist.«

Was das Fernsehlexikon zur Serie Moselbrück sagt: hier

Leseprobe:

Das Erste, was Hanna in seinem Wohnzimmer bemerkte, war ein Herrenhemd. Es lag auf dem Boden, war offenbar von einer Sessellehne heruntergerutscht.

Johannes

Vierzehnteilige Serie, Westdeutscher Rundfunk Die Geschichte des Handwerksmeisters Selzer und seiner Familie. Die Selzers leben zu Ende des 19. Jahrhunderts im Hunsrück,einer Landschaft von karger Schönheit und fremdem Reiz, deren kantige Menschen hart um ihr tägliches Brot kämpfen müssen. Mit dem Eisenbahnbau zieht die neue Zeit in ihr Dorf ein und verspricht Wohlstand. Alle erhoffen sich nun ein besseres Leben: der Sattler Selzer, ein Mann, der sich allzu oft in Träume flüchtet; Marie, seine Frau, eine Frau mit Kraft und praktischem Verstand; und vor allem seine Schwägerin Anna, die eigenwilligste Figur: anstößig in ihrem Handeln, unabhängig im Denken, ist sie die einzige in der Familie, die dem Schicksal eine günstige Wendung abtrotzen kann. Die Fernsehserie wurde mehrfach sowohl im Vorabend- wie im Abendprogramm der ARD ausgestrahlt. Ein sensibler, bei aller Sozialkritik auch heiterer Stoff, der eine nur selten behandelte Epoche deutscher Geschichte wiedergibt, inszeniert von den hervorragenden Regisseuren Ilse Hoffmann und Hajo Gies. Auch Hörfunk-Serie und Ullstein Taschenbuch Nr. 20491 Leseprobe: Julius Selzer liegt mit dem Gesicht zum Fenster, redet etwas Belangloses und hört gleichzeitig auf die sanften, lockenden Geräusche, die beim Ausziehen der Kleider entstehen. Er wird heute Nacht sein Bett nicht nur mit seiner Frau, sondern auch mit seiner Schwägerin teilen. Nicht aus Sinnlichkeit, aus einfacher Notwendigkeit. Trotzdem empfindet er Anna in diesem Moment nicht als überraschenden Besuch, als Verwandtschaft, an die man gebunden ist, ob man will oder nicht. Für ihn ist sie eine andere Frau; er empfindet ihre Gegenwart körperlich, als berührte sie ihn mit ihren Händen, als spürte er ihren Atem. Anna und Marie sind Schwestern, aber ganz verschieden im Naturell. Marie hat sich seit sechzehn Jahren in diesem düsteren, niedrigen Raum ausgezogen, eigentlich immer gleich. Sie hat einfache, selbstverständliche Gesten und Bewegungen. Er braucht sich nicht umzuwenden, um zu wissen, dass sie ihr Kleid auf einen Bügel hängt und den Bügel an einen Haken, rechts am Schrank, dass sie die Schuhe unter den Hocker stellt, halbhohe Schuhe aus festem Leder, dass sie einen der beiden Unterröcke faltet, über den Hocker legt und den anderen anbehält. Er hat seine Frau noch nie vollkommen nackt gesehen. Immer hat sie einen dieser weißen Unterröcke aus Leinen oder Kattun an. Er ist nicht sicher, aber er glaubt, dass sie selbst damals einen solchen Rock getragen hat, als sie den Jungen zur Welt brachte.

Abenteuerserie, 26 Folgen, ZDF Jetzt auf DVD bei Koch Media: Der Kurier der Kaiserin

Die Hauptstädte Europas und der Prunk und die Pracht von Residenzen und gut versteckten Lustschlössern, aber auch heiße staubige Landstraßen, weite Wälder, abgelegene Nester, verlotterte Klöster und Kaschemmen – das ist die Welt von Leutnant Karl von Rotteck, ›Kurier der Kaiserin‹, ausgezeichnet mit dem Vertrauen der großen Herrscherin Maria Theresia.

Als ob die alltäglichen Misslichkeiten und Mühen nicht ausreichten, mit denen sich jeder Kurier zu plagen hat, spielen die Abenteuergeschichten, die in dieser Serie erzählt werden, mitten im Siebenjährigen Krieges zwischen Preußen und Österreich. Wie sich Maria Theresia mit König Friedrich von Preußen herumzuschlagen muss, so hat Rotteck in dem preußischen Kollegen Rittmeister von Buckow einen höchstpersönlichen Widersacher, der ihm immer wieder in die Quere kommt.

Nicht selten hat der Kurier Schreiben zu überbringen, die so oder so die Weltpolitik ändern können. Unter keinen Umstände dürfen sie in die falschen Hände fallen. Entsprechend hat der Kurier beständig auf der Hut zu sein – vor redseligen Prälaten, die ihn zu einem Gläschen Wein einladen wollen, ebenso wie vor willigen Hofdamen, die andere Verlockungen zu bieten haben. In den Wäldern lauern Wegelagerer, in den Kaschemmen Falschspieler alles Art. Außerdem besteht beständig Gefahr, von feindlichen Truppen überrascht zu werden; ändern sich doch die Frontlinien ständig. Wo gestern noch die eigenen Armeen standen, kann heute der Feind sein. Doch Rotteck - gewandt, geistesgegenwärtig, mutig und zäh, wie er ist – besteht seine Abenteuer. Wenigstens die meisten.

Die ungewöhnlich erfolgreiche, mehrfach wiederholte Fern­sehserie erzählte aufregende und amüsante Erlebnisse des Leutnants von Rotteck. Wesentlich für den Erfolg war die Szenerie: Keine Epoche der europäischen Geschichte eignet sich für Abenteuergeschichten besser als die hier gewählte. Die Geschichten erhoben nicht Anspruch auf historische Treue. Wenn man es genau nimmt, war aber auch keine unwahr erfunden. Hauptdarsteller: Klausjürgen Wussow und Volker Kraeft.

Primadonna

Primadonna Roman von Hans Dieter Schreeb Hans Dieter Schreebs Roman erzählt die Geschichte des märchenhaften Aufstiegs der jungen Sängerin Carlotta Vogt zu einer Primadonna allerersten Ranges - und eine Dreiecksgeschichte der besonderen Art. Baden-Baden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier trifft sich alles, was in der Welt und Halbwelt Rang und Namen hat, und hier beginnt auch Carlottas Ausbildung bei der genialen Sängerin Pauline Viardot. Deren Romanze mit dem großen russischen Schriftsteller Iwan Sergejewitsch Turgenjew bildet den Hintergrund und auch einen der zentralen Konflikte des Romans: Carlotta will Turgenjews Herz erobern ... Mit Leichtigkeit und zartem Humor erzählt Hans Dieter Schreeb von den Möglichkeiten und Grenzen der Liebe und von einer uns fern gewordenen Welt. Pressestimmen: Südwestrundfunk (SWR 4): »Ein literarischer Leckerbissen für alle, die sich gern in Salons mit dicken Teppichen entführen lassen, wo lange Röcke rascheln, Zogen tuscheln, und Applaus aufbrandet, während hinter den Kulissen Eifersucht und Intrigen die Szene bestimmen. Schreeb hat in allen Einzelheiten recherchiert. Er vermittelt ein lebendiges Bild von Deutschland um 1860 – vom geschäftigen und schillernden Frankfurt sowie vom dekadenten Baden-Baden. Wir lesen die Geschichte der ›Primadonna‹ und im Kopf läuft ein Film ab: spannend, bunt, romantisch und voller Musik. Frankfurter Allgemeine Zeitung: » ›Primadonna‹ ist der fünfte Roman dieses Autors, der 1996 mit seinem ›Hotel Petersburger Hof‹ bei vielen Lesern historischer Romane einen Durchbruch erzielte. Denn sie stellten nach der Lektüre übereinstimmend fest, dass hier jemand ist, der kompetent zu berichten und das Erforschte, Erlebte und Er­dachte gut zu verweben versteht; kurzum: einer, der das Schreibhandwerk beherrscht und zugleich spannend und erkenntnisträchtig erzählt. ... ›Primadonna‹ erweist sich auch als der reizvolle Versuch, am Beispiel einer exzeptionellen Künstlerin die begrenzten Möglichkeiten von Frauen im 19. Jahrhundert zu beschreiben: Zwischen Hure, Hausfrau und Nonne eröffnete sich kein anderer Weg. Dieser Roman rückt die Liebe zu Zeiten des Friedens in den Mittelpunkt. Dreiecksgeschichte der Liebe von Dr. A. Wild, Stadtbibliothek, Mainz »Schauplatz ist Baden-Baden, die mondäne Sommerhauptstadt Europas in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dort trifft sich alles, was in der glamourösen Welt und Halbwelt Rang und Namen hat. Hier führt die große Sopranistin Pauline Viardot mitsamt Ehemann einen bedeutenden Salon.

Freunde

Marie-Luise Marjan, die Königin der ›Lindenstraße‹ und Freundin des Autors seit vielen Jahren, bat Hans Dieter Schreeb um einen Text für ihren Sammelband ›Freundschaften‹. Er sagte ohne Zögern zu und wusste auch auf Anhieb, was er schreiben wollte – eine Episode aus der Kindheit mit einem Happy end von heute.

Der Text erschien im Herbst 2004 bei Hoffmann und Campe, zusammen mit Beiträgen unter anderem von Reinhard Mey, Ulrich Pleitgen, Norbert Blüm, Franz Beckenbauer, Johann Lafer, Hans W. Geißendörfer, Jutta Kleinschmidt, Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle und vielen anderen Prominenten.

(Siehe auch: ›Denk jetzt nicht, Du kannst schon alles‹.)

Und hier der Beitrag von Hans Dieter Schreeb:

Meine älteste Freundin

Ich liebe Lesungen. Ich weiß, es gibt Autoren, die über Lesungen und Lesereisen stöhnen, andere erzählen davon kleine pikante Geschichten; ich liebe sie schlicht und einfach, die Lesungen. Ich habe lange für Funk und Fernsehen geschrieben, da schreibt man für seinen Redakteur und seine Verwandtschaft, und beide sind nicht von überschwänglicher Begeisterung, wenn man ein Manuskript abliefert oder wenn eine Sendung, die man ›gemacht‹ hat, endlich läuft. Die Sache damals, die mit dem verrückten Ehepaar, die war einfach Klasse, so was hätte man mal wieder schreiben sollen...

So ist das Leben.

Kurz und gut, ich liebe es, Publikum vor mir zu haben. Am besten werde ich, wenn mehr Interessierte kommen, als der Veranstalter erwartete. Wenn zusätzliche Stühle in den Raum getragen werden, steigt der Adrenalinspiegel und der Humor auch. Wenn weniger kommen, macht’s mir auch nichts mehr aus. Es ist angenehm, wie die Veranstalter die Schuld bei sich oder dem Wetter oder der Konkurrenz suchen, nie beim Autor. Eine alte Schauspielerin, die vor Lampenfieber kaum auftreten konnte, hat mir einmal gesagt: Ich hasse das Publikum. In der Jugend weiß man nicht, wie es reagieren wird. Im Alter weiß man, wie es reagieren kann... Ich für meinen Teil musste niemals die Bestie Publikum zähmen. Ich habe nie etwas Irritierenderes erlebt, als die beiden Blinden in der ersten Reihe, die reglos dasaßen und sich auf ihre Blindenstöcke stützten, und als sie am Ende mit den Stöcken Beifall stießen, war mir, als hätte ich einen Orden bekommen.

Wiesbadener Tagblatt: Aus der Serie: ›Zweitausend Jahre Rheinschifffahrt‹:

4. Folge

Flöße

So lange Menschen am Rhein lebten, so lange transportierten sie Waren auf dem Strom. Schon die Römer kannten ›Schwerlasttransporte‹, etwa die gewaltigen Steinblöcke, die aus den Steinbrüchen des Odenwalds geholt wurden. Aus ihnen wurden Garnisonen, Landgüter und Städte, Mainz und Wiesbaden zum Beispiel.

Im Mittelalter verschiffte man erneut große Mengen von Baumaterial auf dem Rhein. Dieses Mal für die großen romanischen und gotischen Dome, für wehrhafte Stadtmauern und repräsentative Rathäuser.

Das Bauholz schwamm alleine. Beziehungsweise in Form von Flößen.

Seit dem 13. Jahrhundert gab es ständig größer werdende Flöße auf dem Rhein. Zum Großteil schwammen da Eichen und Tannen aus dem Schwarzwald, die beliebtesten Hölzer. Auch die Schwarzwald-Flößer genossen besonderes Ansehen, besaßen sie doch spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in der Führung von Flößen.

Die Schwierigkeiten begannen schon bei der Zusammenstellung von Holzqualitäten. Eichenholz allein war nicht schwimmfähig, da zu schwer, und musste mit Tannenholz in genau dosierter Weise gemischt werden. Die eigentlichen Probleme kamen aber bei der Fahrt der Flöße. Die Großflöße des 17. und 18. Jahrhunderts brauchten allein für die Steuerung an die fünfhundert Mann. Heute ist schwer zu verstehen, dass die Ungetüme mit den vergleichsweise bescheidenen Hilfsmitteln von damals überhaupt ans Ziel gelangten.

Am Ende des 17. Jahrhunderts erlebten die Niederlande einen wirtschaftlichen Boom, der alles Bekannte übertraf. Der Holzbedarf der Holländer schien jetzt unersättlich. Für alles wurde Holz gebraucht: Für die Fundamente neuer Städte – ganz Amsterdam ist auf Pfählen gebaut wie Venedig –, für neue Deiche, für den Mühlen- und Schiffsbau.

Die größten Flöße dieser Zeit waren über tausend Fuß lang, also über 300 Meter lang, und mehr als 50 Meter breit. Die Oberfläche eines großen Holländer-Floßes war so groß wie heute vierundvierzig Tennisplätze, 11 500 Quadratmeter! Die Kolosse bestanden aus drei, oft aus fünf Lagen Baumstämmen, und sie zu steuern war eine hohe Kunst. Genau so überdimensional war die Besatzung – 600, 700 Mann. Die Flöße hatten Gelenke, damit sie die Kurven im Fluss bewältigen konnten. Wenn Anker geworfen wurden, mussten ihre Seile mit Wasser übergossen werden, damit sie nicht durch die Reibungshitze Feuer fingen.

Wiesbadener Tagblatt: 1918, Kriegsende

Kriegsende

Von Hans Dieter Schreeb

Informiert man sich heute über den Ersten Weltkrieg in den Zeitungen von damals, kann man glauben, es habe sich beim großen Schlachten um eine Angelegenheit unter Gentlemen gehandelt.

Mitte Oktober 1918 berichtete das ›Wiesbadener Tagblatt‹, die Front im Westen sei zum Stehen gekommen. Angriffe des Gegners seien von den deutschen Truppen ›abgewiesen‹, feindliche Soldaten, so sie in unsere Schützengräben eingedrungen waren, ›zurückgeworfen‹ worden. Nichts von Tod und Leid und Schreien.

Dabei tobte zu der Zeit die ›Argonnen-Schlacht‹. Über eine Million Amerikaner kämpften gegen das letzte Aufgebot des Deutschen Kaiserreiches, undin den vorangegangenen vier Kriegsjahren waren bereits Millionen Soldatenumgekommen.

Alles wurde nur diskret angedeutet, beinahe so, als tauschten Regierungen Noten aus. Die englische Zeitung ›Westminster Gazette‹ hatte angeblich der »verbreiteten Vorstellung, dass die deutschen Heere demoralisiert seien«, widersprochen: »Die Deutschen zeigen weiterhin großen Mut und Entschlossenheit.«

Die Journalisten mussten – wegen der Zensur und weil die Leserschaft an eine andere Art der Berichterstattung gewohnt war als die heutige – sehr vorsichtig formulieren. Wer zwischen den Zeilen lesen konnte, vermochte dennoch zu erkennen, wie sich die Waage senkte – zu Ungunsten Deutschlands.

Erstes unübersehbares Zeichen, dass die große Umwälzung begonnen hatte, war der 3. Oktober 1918. An diesem Tag wurde der 51jährige Max von Baden, Thronfolger des Großherzogtums Baden, zum Reichskanzler berufen. Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt übermittelte der neue Kanzler dem US-Präsidenten Woodrow Wilson ein Friedens- und Waffenstillstandsangebot, stellte den U-Boot-Krieg ein und entließ General Erich Ludendorff, bis dahin der eigentliche Kriegsherr.

Das ›Tagblatt‹ kommentierte den Rücktritt Ludendorffs so: »Es ist nicht das erste Mal, dass ein siegreicher General sich in die Politik verirrt hat, und es ist ebenfalls nicht das erste Mal, dass solcher Irrweg zur Katastrophe geführt hat.«

Erstaunlich mutige Worte!

Wiesbadener Tagblatt: 1914

August 1914

Von Hans Dieter Schreeb

Hätten die Europäer im Sommer 1914 geahnt, was vor ihnen lag, sie wären verzweifelt. Vor ihnen lagen die schrecklichsten Zeiten, die der Kontinent je durchlitten hat: Jahrzehnte des Unglücks, des Grauens, des Todes, der finstersten Dunkelheit.

Bemerkenswert, wie hellsichtig das ›Wiesbadener Tagblatt‹ am 31. Juli 1914 formulierte: »Damit ist die Schicksalsstunde des Deutschen Reiches angebrochen. Es gilt die Existenz unseres Staatswesens!« Zu der Zeit waren Heer und Marine zwar schon mobilisiert, der Krieg gegen Russland, England und Frankreich aber noch nicht erklärt. Noch gab es einen Funken Hoffnung.

Die Wiesbadener Hausfrauen reagierten hysterisch: Kauften, was zu kaufen war, und die Sparer holten ihr Geld von den Banken. Die Geschäftsleute weigerten sich, Papiergeld anzunehmen – plötzlich zählten nur noch Gold und Silber.

Liest man die Zeitungsberichte von damals nach, kann man nicht anders, als an den Untergang der ›Titanic‹ zu denken. Eben noch das ›unsinkbare‹ stolze Schiff voller Schönheit und raffinierten Luxus’ und einen Augenblick später unrettbar verloren. Hier eine politische Krise der üblichen Art, die sich zur großen Katastrophe eines ganzen Kontinents, ja, der ganzen Welt ausweitet.

Der Sommer 1914 war ein Bilderbuchsommer. An manchen Tagen war die Hitze so groß, dass der Asphalt auf den Strassen aufweichte. Wiesbaden lebte von reichen Fremden, den ›Kurgästen‹ aus aller Welt, und wehrte sich gegen die Ansiedlung von Industrie. In einem Leserbrief hieß es, Wiesbaden sei unter anderem deshalb so angenehm, »weil man hier fast nur gutgekleidete Menschen mit durchweg höflichen Manieren trifft. Arbeiter auf der Wilhelmstrasse würden einen schlechten Gegensatz zum bisherigen Bild geben.«

Dem Amüsement dienten vier Theater und einige Lichtspielhäuser. Die große Sensation dieses Sommers war aber die ›Bluttat von Paris‹. Da hatte Madame Caillaux, die Frau des französischen Finanzministers, einen Zeitungsherausgeber erschossen, der ihren Mann in immer neuen Artikeln angegriffen hatte. Minister Caillaux verteidigte seine Frau höchstselbst vor Gericht. Über viele, sehr lange Spalten hin wurde dieser Prozess auch im ›Tagblatt‹ ausgewalzt. Der Freispruch kam in den Momenten der Mobilmachung. Aber selbst da wurden noch alle Details des Urteils mitgeteilt.

Wiesbadener Tagblatt: 1896, Auf allerhöchsten Befehl

Die ersten Wiesbadener Festspiele

Von Hans Dieter Schreeb

Heutzutage sind Festspiele so selbstverständlich, dass man sich schwer vorstellen kann, dass es auch mal Sommer ohne Festivals gab.

Richard Wagner war der Erste, der einmal im Jahr Festspiele veranstaltete – Opernaufführungen von überragendem Niveau und außerhalb des Gewohnten. Die Idee und der Erfolg überzeugten so, dass der Wiesbadener Intendant Georg von Hülsen, seit 1893 Intendant des Königlichen Theaters zu Wiesbaden, den Gedanken aufgriff. Am 6. Mai 1896 wurden die ersten Wiesbadener Festspiel-Wochen eröffnet, nach Bayreuther Vorbild mit Posaunenschall.

›Festspiele auf allerhöchsten Befehl‹ hieß es auf Plakaten und Programmen und entsprechend wurden die Festwochen bald von der Bevölkerung und der Presse ›Kaiserfestspiele‹ genannt.

Selten traf ein Begriff so genau wie dieser. Kaiser Wilhelm II., ein Gönner der Stadt und des Theaterintendanten von Hülsen, zahlte aus der eigenen Schatulle und nicht wenig, bestimmte aber auch nach eigenem Gusto das Programm. ›Rinnsteinkunst‹ – also alles, was damals neu und wegweisend war – lehnte er ab. Andererseits hatte er sehr genaue Vorstellung, was Theater sein sollte. Es sollte ein Werkzeug des Monarchen sein gleich der Schule und der Universität. »Das Theater ist auch eine Meiner Waffen«, umriss er seine Anschauung von der Sache in einer Rede.

Intendant Georg von Hülsen, 1858 geboren, war Sohn des Generalintendanten der Berliner Königlichen Bühnen, Botho von Hülsen. Nach dem Abitur trat der junge Hülsen ins preußische Heer ein. Ab 1879 war er Offizier des Garde‑Kürassier‑Regiments. Mehr konnte man damals in Deutschland kaum sein oder werden. Zum Generalstab abkommandiert, wurde Hülsen 1889 Adjutant des Kriegsministers. Warum Kaiser Wilhelm seinen Jugendfreund Georg zum Leiter des Wiesbadener Hoftheaters berief, lässt sich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hielt er den jungen Mann einfach für fähig.

Der Bader von Mainz

Von Hans Georg Thiemt und Hans Dieter Schreeb Hardcover und Taschenbuch bei Ullstein Verlag, Berlin Zwölf Auflagen Taschenbuch, 494 Seiten. Drei Auflagen Hardcover Ein Badhaus zu Mainz im Jahre 1358, nach dem Abklingen der ersten großen Pest ist Schauplatz des Romans: halb Heilstätte, halb Hurenhaus. Hier werden Feste ›ausgebadet‹, hier werden Zähne gezogen und Knochen geflickt und hier ist jeder vor dem Arm des Gesetzes sicher. Herr im Haus ist der Bader Matthes, 42 Jahr alt, Vater zweier Töchter (einer eigenen und einer angenommenen) und, da ohne Weib, auf Brautschau. Ein ganz junges Ding hat er sich ausgesucht, ein halbes Kind noch, das Röschen aus Nierstein – ›Brust und Hintern noch hart, unreife Pfirsiche eben.‹ Die Beiden schlafen zur Probe miteinander, finden Gefallen daran. Aber aus der Hochzeit will lange nichts werden. Die Verhandlungen über das Brautgeld ziehen sich hin, der Bader wird der Sache überdrüssig, doch nicht das Röschen ... Um Matthes den Bader und die Weiber in seinem Haus lassen die Autoren Hans Georg Thiemt und Hans Dieter Schreeb (viele Jahre gehörten sie zu den erfolgreichsten Autoren des deutschen Fernsehens) das Mittelalter entstehen – nicht so dunkel, wie es oft gezeichnet wird, sondern blutvoll, lebenslustig, menschlich. “Der Bader von Mainz” auf der Suche nach dem kleinen Glück hier Artikel aus der Rhein Main Presse Stimmen: Welt am Sonntag: »Ein hervorragend recherchiertes, mit einer Fülle wenig bekannter Einzelheiten ausgeschmücktes und dazu mit geschickter Dramaturgie dargebotenes Epos des kleinen Mannes im Mittelalter.« Lesermeinung bei amazon.de R. Wasserman aus Birmingham, Mi / USA: »Faszinierender Einblick in das Mittelalter: Hervorragend recherchiert, einleuchtend und spannend geschildert. Der Leser wird im Detail in die Welt des Mittelalters versetzt und Sitten und Gebräuche werden ihm nahegebracht, die aus heutiger Sicht unglaublich erscheinen. Es fällt schwer, das Buch auch nur einen Moment niederzulegen. Wer sich für diese Epoche interessiert, hat definitiv das Buch gefunden.« R. Soth, Hamburg: »Einfach SUPER. Für mich eine einmalige und nicht zu übertreffende Beschreibung des Mittelalters. Man spürt (und riecht) förmlich das Geschehen zu dieser Zeit.«. Thorsten Muesfeldt, 55 234 Biebelnheim: »Die meisten historischen Romane spielen irgendwo an Königshöfen, Fürsten- häusern u.ä. Hier wird Geschichte aber dort lebendig, wo das pralle Leben spielt: In den Mainzer Gassen des 14. .Jahr- hunderts, wo eben noch die Pest wütete, wird gelebt, gesoffen, gebetet, geliebt, gekämpft und eben auch gebadet.