Theater
Die folgenden Stücke von Hans Dieter Schreeb werden von der Agentur gallissas Theaterverlag und Mediaagentur GmbH - Sitz in Berlin angeboten. Hans Dieter Schreeb im Gallissas Katalog unter Autoren und Stücke
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Frau mit Pelz
Volksstück
In diesem Volksstück von Hans Dieter Schreeb geht’s ums Sterben und Erben, wobei beides komplizierter ist, als man auf Anhieb denken würde.
Um die Personen vorzustellen: Die alte Frau Runkel wohnt schon seit Jahrzehnten in einer kleinen Wohnung unterm Dach und kann sich nur noch schwer bewegen; der Gang zum Clo ist für sie schon ein Ausflug. Ihre einzige Passion ist das Fernsehen, speziell Krimis. Außerdem tratscht sie gerne mit Karl Koehler, einem geschwätzigen, gutmütigen und bauernschlauen Menschen. Seine Frau, das Friedchen, und seine Schwägerin, die Edith, betreuen die alte Frau Koehler, bringen ihr drei Mal am Tag Essen rauf, einmal warm, zweimal kalt. Im Hauptberuf betreiben die Koehlers im Erdgeschoss des Hauses ein ›Wasserhäuschen‹, eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Kiosk.
Ansonsten ist noch Erwin Limbach für die Geschichte wichtig. Er ist Polizist, Hausbesitzer und Herzensbrecher und sehr von sich eingenommen. Bei Frau Koehler hat er neuerdings einen Stein im Brett, wobei die Stein und Bein schwört, sie würde niemals… Edith, ihre Schwester, schüttelt sich sogar bei dem Gedanken, sie mit Limbach ... Edith hat ihrerseits ein Verhältnis mit einem Italiener, der sie auf Händen trägt. Und mit dessen Bruder. Aber das Wahre ist das alles nicht.
Was nun das Sterben angeht: Im ersten Teil der Geschichte ist Frau Runkel zweimal ›scheintod‹ (tatsächlich eine exakt umrissene medizinische Kategorie!) und endlich tot. Man kann sich vorstellen, wie viel Aufregungen mit dem jeweiligen Hinscheiden und der jeweiligen Auferstehung verbunden sind.
Im zweiten Teil, nachdem Frau Runkel dieses Jammertal definitiv verlassen hat, geht’s um das Ölbild ›Frau mit Pelz‹, ein etwas schwüles Gemälde, ein echter Rauch. Es zeigt möglicherweise Frau Runkel in jungen Jahren und ist das einzige Wertstück, das sie hinterlassen hat. Zu Lebzeiten hat sie es – mehrfach und unter Zeugen! – den Koehlers versprochen, aber die haben natürlich nichts Schriftliches in der Hand. Nun beansprucht es die Tochter von Fran Runkel. Sie ist eine kleine, giftige Person, Lehrerin. Das sagt wohl alles. Karl trickst und lügt, wie man es von ihm erwarten kann, und die Dinge verwirren sich mehr und mehr. Man sieht sich schon im Gefängnis, dann kommt es zu einer verblüffend einfachen Lösung … Auch Ediths Herzensangelegenheiten ordnen sich und sogar die ihrer Schwester.
Insgesamt ist ›Frau mit Pelz‹ bei aller Turbulenz auch realistisch
Spaßgesellschaft
Ein Sittenbild
Inhalt dieses teils heiteren, teils bitteren Stücks: Eine Liebe blüht auf, eine ›Beziehung‹ steht auf der Kippe, ein Ex-Ehemann wird auf seinen Platz verwiesen und ein alter Mann stirbt. Ansonsten sieht man, wie bei der Firma ›Bragg Germany‹ gedacht und gelacht wird.
Alles ereignet sich während des Betriebsfests von ›Bragg Germany‹. Der Betrieb produziert ›Umwelttechnik‹ und hieß früher, in den goldenen Zeiten der Firma, ›Hahnemann und Lüscher‹. Im Verlauf des brutalen Wettkampfs auf den Weltmärkten wurde man von Bragg International aufgekauft und, welche Demütigung, ausgerechnet Zwolle, also ›Bragg Netherlands‹ unterstellt.
Man feiert auf einem völlig unatmosphärischen ›Aussiedlerhof‹.
Der Zuschauer sieht nur einen Ausschnitt des großen Treibens – eine Ecke in der Nähe der Getreidesilos, in der es sich das Departement ›Communication‹, früher Presseabteilung, gemütlich macht: glatter Betonfußboden, Metalltüren zu Silos und Vorratsräumen als Hintergrund usw. Alles ist mit Weinranken aus Plastik verhübscht. Es sind zwar Sonnenschirme aufgebaut; die Sonne knallt aber unerbittlich auf die Akteure. Ansonsten einige Klapptische und -bänke. Getrunken wird Bier, Sekt und Wein, Cola und Wasser. Den Wein gibt’s aus Literflaschen, Bier aus einer kleinen Zapfanlage.
Wesentlich für Stück und Stimmung sind überdimensionale Lautsprecher. Aus ihnen quellen Musik, Reden der Betriebsleitung, Durchsagen und Witze eines unfähigen Conférenciers.
In der Abteilung Communication, der früheren Presseabteilung, sind die Außenseiter der Firma, die sogenannten ›freischaffenden Künstler‹, versammelt. Werner Niggemann, 32, der Stellvertreter des Abteilungsleiters, führt hier gegenwärtig das große Wort. Der Abteilungsleiter selbst ist zurzeit in Kur und es ist zu wünschen, dass er da auch bleibt. Niggemann ist der Frauenheld der Abteilung, wenn nicht der ganzen Firma.
Petra Kinkel, 26, ›Team Assistent‹, immer ein lockeres Mundwerk und gute Tänzerin (kein Betriebsfest, bei dem sie nicht auf dem Tisch tanzt!), behauptet, sie würde Niggemann nicht nehmen und »wenn ihr ihn mir auf den Bauch bindet«. Na ja! Gegenwärtig hat Niggemann anscheinend ‘was mit Frau Soukakis, der Sexbombe der Poststelle, verheiratet und zwei kleine Kinder, aber so was stört ihn ja nie.
Der Rauschgoldengel
Ein heiteres Weihnachtsstück Diese Geschichte spielt an einem Tag – an einem Heiligen Abend – und kommt mit vier Personen aus, mit Harald Reißmüller, einem in sich gekehrten jungen Mann, seiner Mutter Dagmar, egozentrisch und egoistisch, mit Sigi, Dagmars gegenwärtigem Liebhaber, und mit Iris, einer jungen Frau, die aussieht wie ein Weihnachtsengel und womöglich auch einer ist. Sie setzt die Geschichte in Bewegung und hält sie in Bewegung und macht aus einer möglichen Weihnachts-Tragödie eine Komödie. Mit Happy End. Iris Schwartz, 25, der Rauschgoldengel, hat lange blonde Haare, ist schlank, rank, witzig. Aus dem Stegreif erfindet sie ganze Dramen. Anfangs nimmt man ihre Erzählungen für bare Münze, dann kommt man dahinter, dass sie viel Phantasie besitzt und endlich merkt man, dass es ihr Spaß macht, die Rollen zu wechseln wie andere die Kostüme. Tatsächlich ist sie Drehbuch-Autorin mit Hochschulabschluss. Im Augenblick ist sie ohne Job und ohne Auftrag. Deswegen verdient sie sich ein wenig Geld als Verkäuferin von Weihnachtsbäumen. Der Mann, den sie bezaubert, ist Harald Reißmüller, 34, Erdöl-Ingenieur. Er arbeitet jeweils mehrere Wochen am Stück auf einer Bohrinsel vor Norwegen. Danach hat er mehrere Wochen Urlaub, die er am liebsten in seiner weitläufigen Berliner Wohnung verbringt – »als Mönch mit Schweigegelübde«, wie seine Mutter das nennt. Dabei ist Harald in Wirklichkeit ein freundlicher, ruhiger, klar denkender Mensch, der eben sparsam mit seinen Worten umgeht. Er hat sich geschworen, allzeit das Gegenbild seiner Mutter sein. Ihre Liebes- und sonstigen Dramen waren ihm immer ein Gräuel; lieber verzichtet er generell auf Liebe, als so etwas zu kopieren. Er denkt nicht darüber nach, warum Iris ausgerechnet ihn mag, nimmt es nur glücklich hin. Wunder gehören nun mal zu Weihnachten. Dagmar Reißmüller, 51, seine Mutter, hat, wie angedeutet, bewegte Jahre hinter sich. In ihrer Jugend war sie eine ›rassige Schönheit‹, Stewardess bei verschiedenen großen Airlines und insofern hat sie eine Menge von der Welt gesehen. Jetzt, da sie im zweiten Frühling ist, ist sie immer noch ›rassig‹, hat immer noch Männergeschichten und kurvt immer noch gern in der Welt herum. Eigentlich wollte sie Weihnachten auf einem Luxusdampfer unter dem ›Kreuz des Südens‹ verbringen, aber Sigi, ihr gegenwärtiger Liebhaber, hat sich ›entpuppt‹, aber so was von entpuppt … Kurz entschlossen, hat Dagmar die teure Reise abgebrochen und taucht als liebende Mutter bei Harald auf.