Funk

Zahlreiche Hörfunk-Serien für den Südwestfunk, Baden-Baden Unter anderem: »Ich, Christian Hahn«, »Ich gehe zum Schinderhannes«, »Ein Auto müsste man haben«, »Mein lieber Scholly«, »Der Judenbengel«. Insgesamt mehr als hundertfünfzig Folgen Hörfunk.

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Der Judenbengel

Hörfunk-Serie von Hans Dieter Schreeb und Hans-Georg Thiemt SWF 1989, 550 Minuten Berlin 1943. Die letzten Berliner Juden werden ›abgeholt‹ und in Konzentrationslager deportiert. Entweder bekommen sie Aufforderungen, sich an Sammelplätzen einzufinden und für den Transport bereitzuhalten, oder aber sie werden aus ihren Wohnungen verschleppt und durch ein Spalier von Gestapo-Leuten auf die Lastwagen getrieben. Die Nachbarn verschanzen sich hinter verschlossenen Türen und wollen lieber nichts hören und sehen, was sie veranlassen müsste, zu fragen oder gar Widerstand zu leisten. Die allermeisten schweigen, und viele profitieren von der Deportation ihrer Nachbarn, denn die freien Wohnungen werden nun ›arischen‹ Familien zugeteilt, die sich mit dem einrichten, was zurückgelassen werden musste. Dem 16jährigen Wolf Buschke gelingt zwar die Flucht, als die Gestapo die elterliche Wohnung räumt. Er wagt es sogar unter einem Vorwand zurückkehren, um sich aus der schon besetzten Wohnung einen kleinen Koffer mit dem Allernotwendigsten zu holen. Doch dann steht der Junge allein da. Ohne Geld, ohne Lebensmittelkarten und ohne Freunde! In ständiger Angst entdeckt zu werden, versucht er, im nationalsozialistischen Berlin unterzutauchen. Damit beginnt ein Abenteuer auf Leben und Tod, voll dramatischer, aber auch skurriler Erfahrungen. Wolf Buschke lernt, die Schwächen des totalitären Regimes zu nutzen, um zu überleben ... Regie: Lothar Schluck Sprecher: Tobias Lelle, Marie-Luise Marjan, Nicole Horny, Peter Schiff, Horst Pinnow, Katharina Palm, Helene Elcka, Henny Schneider-Wenzel, Wolfgang Reinsch, Maria Majewski, Walter Langwitz, Klaus Spürkel, Hans-Edgar Stecher, Rudi Spieth, Christel Koerner, Heinz Lieven, Margarete Salbach, Jürgen Andreas, Berth Wesselmann, Rotrand Schindler, u.a. (Text aus www.hoerdat.de) Kommentar von Hans Dieter Schreeb: ›Der Judenbengel‹ ist eine durch und durch ungewöhnliche Arbeit: eine Abenteuer-Serie, in der das Grauen der Nazizeit stets präsent ist, doch auch der unbedingte Lebenswille.

Ich, Christian Hahn

Fernseh-Serie, vierzehn Folgen, Südwestfunk

Die Geschichte eines verliebten Jungen in der wild- und rheingräflichen Grafschaft Grehweiler, einer Comtesse und ihres verschwendungssüchtigen Vaters, des Herr Grafen, und alles im Jahre 1760, als der Siebenjährige Krieg gerade vier Jahre alt ist. Geschildert werden außerdem korrupte Hofbeamte, verlotterte Schulmeister und spitzfindige Pfarrer. Der Frankfurter Geldwechsler Rothschild spielt auch mit. Es wird eine bunte, abenteuerliche Welt geschildert, voll von komischen und grotesken Ereignissen. Eine Geschichte mit historischer Wahrheit – angeregt von Friedrich Christian Laukhard.

Auch Hörfunk-Serie und Ullstein-Taschenbuch Nr. 20523

Leseprobe:

Christian Hahn stand seinem allergnädigsten Grafen das erste Mal auf dem Grehweiler Markt von 1760 Aug' in Aug' gegenüber.

Die Begegnung kam so unerwartet, dass Christian, ein Bursche von zwölf und damals Ziegelstreicher in der gräflichen Ziegelei, Mund und Nase aufsperrte, wie es ganz treffend von solchen Vorkommnissen heißt. Der Graf machte Eindruck auf den Jungen: Er war in graue Seide gekleidet, sein Gesicht weiß gepudert wie bei einem Tragöden, der Mund glänzte unnatürlich rot - das war damals die Mode, nicht eine Torheit des Grafen -, und seine Haltung drückte Herablassung aus und eine Spur von Verwunderung, dass so wenige Menschen so viel Krach zu schlagen vermochten.

Der Markt war nämlich nicht nur Handel, er war auch ein gewaltiges lärmiges Spektakel. In die Musik einer Tanzkapelle mischten sich das Gejohle der Schaulustigen, das Geschrei und die Trompeten der Anpreiser; Betrunkene grölten. Wein und Bier und Branntwein lief die Kehlen hinunter, machte die Menschen sich selbst fremd. In dieser Stimmung vergaß manch einer alle Sitten und bedrängte das Frauenzimmer, das er schon lange ins Auge gefasst hatte, oder fand sein Glück. Auch dem Christian schlug auf dem Grehweiler Markt das Herz zum erstenmal bis zum Hals.