Vergangen, verweht

Aktuelle Infos

Der Verlag Hase und Köhler, Mainz, brachte 1973 das Fachbuch ›Fernsehen in Deutschland – Macht und Ohnmacht der Autoren‹ heraus. Darin wurden die beiden Partner des Autorenduos Thiemt/Schreeb, eins der erfolgreichsten von ARD und ZDF, so charakterisiert:

HANS-GEORG THIEMT, 49 Jahre. Bürgerliches Elternhaus. Mit 17 Jahren Kamera-Assistent bei der TOBIS und sofort im Krieg als Assistent einer Kriegsbericht-Abteilung. Dann, aus taktischen Gründen freiwillig als Kriegsberichter zur Waffen-SS. Drei Jahre englische Kriegsgefangenschaft mit 2 Semestern Studium in Cambridge. Bei der DEFA Assistent von Wolfgang Staudte. Dann eigene Kurzfilme in der Bundesrepublik fiirs Kino. Werbefilme: U.a. Grand Prix in Cannes. Autor und Regisseur im Fernsehen. Seit 10 Jahren Zusammenarbeit mit H. D. Schreeb.

HANS DIETER SCHREEB, 32 Jahre. Aus einem bürgerlichen Elternhaus in Württemberg. Vaterlos aufgewachsen. Zeitungsvolontär und Lokalredakteur in Ingelheim. 4 Jahre Redakteur im Werbefernsehen des Südwestfunks. Nach eigenen Versuchen Zusammenarbeit mit H. G. Thiemt. Mitglied der SPD, ›linksliberal‹. Ist belesen und vielseitig interessiert.

Alles richtig, bis auf Alter und Herkunft von Hans Dieter Schreeb. Er wurde in Wiesbaden geboren und hat hier auch den größten Teil seines Lebens verbracht. In anderen Nachschlagewerken wurde als sein Geburtsort auch mal Paderborn und in einem Fall Beirut angegeben. Insofern … Was das Alter betrifft: Beim Erscheinen des Buches war HDS mindestens 34, wahrscheinlich aber 35 Jahre alt. Die Zusammenarbeit mit Hans-Georg Thiemt hielt bis zu dessen Tod im Jahr 1999 an. 

Das Bild wurde nun von Barbara Thiemt-Büsser, der Tochter von H.G. Thiemt, beim Ausräumen des Elternhauses gefunden. Zusammen mit anderen, die die Siebziger Jahre wieder aufleben lassen, einschließlich der damaligen Haarmode. 

Copyright Fotostudio Manfred Gerber, Idar-Oberstein

PS: Zu dem Punkt ›Vaterlos aufgewachsen‹ in der obigen Kurzbiografie lesen Sie bitte den Text ›Mein Vater‹ unter dem Button ›Biografisches‹ auf dieser Website.

Und zu der Angabe ›freiwillig zur Waffen-SS‹ in den Daten von H.G. Thiemt: Es ist richtig, dass nicht alle deutschen Kriegsberichter Mitglieder der Waffen-SS waren. Man konnte sich auch als Angehöriger der Wehrmacht oder anderer Einheiten der Streitkräfte bewerben; einen militärischen Rang musste man jedoch haben. Für seine Wochenschau-Aufnahmen wurde Thiemt zweimal mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

 

Interview für die Pressemappe TELL - DAS MUSICAL

    Herr Schreeb, Sie sind der Autor von TELL – DAS MUSICAL. Warum haben Sie diese Aufgabe angenommen? Nun, jede Geschichte ist eine Herausforderung. Am Anfang steht immer die Frage: Kann man den Lesern, den Zuschauern etwas bieten, was sie bislang so noch nicht gelesen, gehört oder gesehen haben? Wenn man sich jedoch an einen Nationalhelden wie Tell wagt, wächst die Herausforderung im Quadrat. Ist nicht längst alles bedacht, gesagt, inszeniert, wissenschaftlich analysiert, verfilmt und veropert worden, was diese Figur angeht? Man muss entweder tollkühn sein oder sich ein wenig Naivität bewahrt haben, um ohne Beklemmungen an die Arbeit zu gehen. Bei mir war es das Gottvertrauen, dass ich nach so vielen Jahren des Schreibens, Geschichten- und Figurenerfindens – nach Hunderten Folgen von Fernseh-Serien, Fernsehspielen, Romanen, Hörspielen – auch mit diesem Stoff zurechtkomme. Sie fragen, warum haben Sie diese Aufgabe angenommen? Die Antwort ist: Auch im Vertrauen darauf, dass ich ja nicht allein auf der Bühne stehe. Beim Entstehungsprozess sind – mindestens – ein Komponist und ein Songschreiber meine Partner, in diesem Fall Marc Schubring und Wolfgang Adenberg. Später werden erfahrene Sänger, Sängerinnen, Darsteller und Darstellerinnen, ein Regisseur, ein Dirigent, ein Bühnenbildner, Maskenbildner und so weiter die Last teilen. Warum dann die Aufgabe nicht annehmen, wenn sie angeboten wird? Wenn erst mal die allererste Beklemmung gewichen ist, kommt Freude und Stolz auf. Man kann sich (in meinem Fall: wieder einmal) mit einer Figur auseinandersetzen, die sehr vielen Menschen auf der ganzen Welt etwas bedeutet. Das macht dann Freude und Stolz.     Friedrich Schiller hat Deutschland nie verlassen und die Geschichte über unseren Schweizer Nationalhelden geschrieben. Haben Sie es ihm gleich getan und sind heute zum ersten Mal in der Schweiz? Nein, weiß Gott nicht. Ich war in jungen Jahren – zwischen 1959 und 1963 – vier Jahre lang Programmredakteur des Südwestfunks in Baden-Baden. In dieser Zeit war ich, was ja auf der Hand liegt, öfter in der Schweiz – in Basel, in Zürich, in Lausanne und Genf. Der Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz war damals, ich will nicht sagen wie der zwischen Tag und Nacht, aber immerhin beträchtlich. In Deutschland wurden zu der Zeit verbissen die Trümmer abgeräumt, die der Krieg hinterlassen hatte, und der ›Wiederaufbau‹ zelebriert. Und ich meine damit nicht nur Häuser und Straßen, das auch, sondern auch alles, was das kulturelle, wirtschaftliche und politische Leben anging.

TELL – DAS MUSICAL vorgestellt

Am 25. April 2012 wurde in Zürich den Schweizer Medien TELL – DAS MUSICAL vorgestellt: Weltpremiere ist am 18. Juli 2012 auf der Walensee-Bühne in Walenstadt. Autor des Textbuches ist Hans Dieter Schreeb.   Erste Reaktionen der Schweizer Presse: Tagblatt «Tell - das Musical» hat ein Budget von 5,5 Millionen Franken. Finanziert wird es mit Unterstützung von Sponsoren, Partnern und der öffentlichen Hand. Aufgeführt wird das Musical von 26 Profi-Darstellern und 20 Statisten. Die Musik wird von einem 20-köpfigen Orchester unter Leitung von Andreas Felber gespielt. Das Textbuch hat Hans Dieter Schreeb verfasst, die Liedtexte stammen von Wolfgang Adenberg. Die Musik arrangiert hat Marc Schubrig. Regie führen wird Nico Rabenald, für die Choreographie ist Christopher Tölle verantwortlich, wie die TSW AG mitteilte.   Blick.ch Tell (Fabian Egli) wird als ein junger Mann gezeigt, dem Familie und Freunde wichtig sind. Und dann wird er "in eine Extremsituation gedrängt, die man sich gar nicht vorstellen kann", sagte Regisseur Nico Rabenald vor den Medien. Er wird ein "Held wider Willen". Dass er dereinst Ikone und Nationalheld sein wird, kann er nicht wissen. Auch Gessler (Bruno Grassini), sein Gegenspieler, wird anders als üblich gezeichnet. Ebenfalls noch jung, steht er zwischen dem Volk und den Herrschenden, ist deren Handlanger. Die Beziehung zwischen den beiden sei "etwas anders" als gewohnt, sagte Textbuchautor Hans Dieter Schreeb. Das gesamte Autoren- und Kreativteam - mit Ausnahme vom musikalischen Leiter Andreas Felber aus Luzern - setzt sich aus Deutschen zusammen. Man habe bewusst eine Aussensicht hereinbringen wollen, erklärte Projektleiter Marco Wyss. Zwar habe er der Sache "mit gemischten Gefühlen" entgegengesehen. Er wurde jedoch "überrascht von der Punktlandung". Es gebe jedoch noch einen anderen wichtigen Grund, weshalb mit Schreeb ein deutscher Textbuchautor bestimmt wurde, sagte Projektentwickler John Havu (USA) nach der Medienkonferenz zur Nachrichtenagentur sda: Schreeb sei ein profunder Kenner der damaligen Epoche. Er kenne "die echte historische Grundlage".   cash Mit "Tell - Das Musical" setzt die Walenseebühne in Walenstadt SG fort, was sie mit "Heidi 1+2" und "Die Schwarzen Brüder" begonnen hat: Sie bringt Schweizer Stoffe als Musicals. "Tell" hat Premiere am 18. Juli.   südostschweiz.ch «Tell – das Musical» ist eine grosse Kiste: Insgesamt beschäftigt die TSW Musical AG gemäss den Presseunterlagen für die Produktion 149 Mitarbeitende in Voll- und Teilzeitstellen. Die Bühne am Walensee hat 2000 Plätze.

Meine älteste Freundin

Lesereisen sind erhellend – für den Autor mehr als für die Leser. Hans Dieter Schreeb beschreibt in einer Kurzgeschichte, wie er Rita, seine älteste Freundin, bei einer solchen Lesereise wiederfand. Sie finden die Geschichte mit dem Titel ›Meine älteste Freundin – Rita‹ in der Rubrik Bücher.

"Kaiserzeit" in Funk und Fernsehen

Die zweite, um fünfzig Seiten erweiterte Auflage des Bildbandes ›Kaiserzeit‹ findet viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Wiesbadener Tageszeitungen – Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt – berichteten auf halben Zeitungsseiten darüber. Die Besprechung in der ›Frankfurter Allgemeinen‹ ist enthusiastisch; und die ›Hessenschau‹ des HR stellte das Buch und seinen Herausgeber Detlef Schaller in einem sehr informativen Beitrag vor. ›Radio Rheinwelle‹, der Lokalsender für Wiesbaden, Mainz und Umgebung, stellte Autor Hans Dieter Schreeb eine halbe Stunde zur Verfügung, das Buch zu präsentieren.

Kaiserzeit

»Kaiserzeit« – neu und umfangreicher Der Bildband »Kaiserzeit – Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque« von Detlef Schaller und Hans Dieter Schreeb erschien 2006 und war nach wenigen Monaten nur noch (zu Schwarzmarkt-Preisen) im Internet zu haben. Im Herbst 2011, fünf Jahre nach der Premiere, werden die beiden Wiesbadener Verlage Axtmann/Chmielorz und Cicero/Vivart eine wesentlich erweiterte zweite Ausgabe des Bildbandes herausbringen. Auf 48 zusätzlichen Seiten erfährt man Neues und Originelles über die Maifestspiele, die bedeutendsten Wiesbadener Kirchen, das Jagdschloss Platte. Aber auch die Bier-, Wein- und Sektstadt Wiesbaden wird lebendig, und ausgewählte Firmengeschichten zeigen: Hier kaufte der Kurgast ein! Und der betuchte Wiesbadener auch! Insgesamt erzählt der Bildband genau das, was sein Titel verspricht: Er stellt Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque vor. Wiesbaden war in der Kaiserzeit, in den Jahren zwischen 1870 und 1914 also, der Kurort des Kontinents, übertraf in seiner Bedeutung Baden-Baden, Karlsbad oder Aix les Bains, war mondäner als Nizza oder Monte Carlo. Hier lebten ebenso viele Arme der Ärmsten wie Superreiche, zahlreiche Rentiers und Privatiers, die Stadt hatte mithin eine äußerst ungewöhnliche Sozialstruktur. Das Badhotel und das Badhaus – vor allem ›die Kur‹ – waren eigene Lebensformen mit sehr eigenen Riten. In den Details sind sie uns fremd geworden; in den Texten und Bildern des Buches werden sie wieder lebendig. Man sieht die Fassaden, Empfangsräume, Suiten, Ballsäle, die marmorverkleideten Badezimmer und vergoldeten Treppenaufgänge der Grand Hotels, liest die Speisekarten von Gala-Diners. Gleichzeitig erfährt man aber auch vom Leben der ›dienstbaren Geister‹, wie man damals sagte. Besitzer der ›Privathotels‹ waren oft ehemalige Oberkellner oder gewesene Portiers; die großen Hotels der Stadt gehörten teils Aktiengesellschaften, teils Kommanditgesellschaften. In typischen Beispielen wird der Leser mit Entstehung und Schicksal der bedeutendsten Häuser vertraut gemacht. Man wird über den ›Sonntagsspaziergang‹ und die ›Milchkuranstalten‹ informiert, aber auch über das angemessene Benehmen auf der ›Wilhelmspromenade‹. Mit einem Satz, man erfährt von Alltag und Sonntag in dieser besonderen Epoche. Der besondere Reiz des Bildbands liegt darin, dass alle Bilder ehemals als (kolorierte) Postkarten begonnen haben. Die Illustration ist dadurch wesentlich lebendiger als bei Schwarz-Weiß-Fotos aus dieser Epoche.  

Im Phoenix-Programm: Die U2-Affäre

Film von Hans Dieter Schreeb und Hans Georg Thiemt

Phoenix, der Ereignis- und Dokumentarkanal von ARD und ZDF, wiederholte am 30. Juli 2010 das vierzig Jahre alte, jedoch erstaunlich frisch wirkende Dokumentarspiel des Autorenduos Thiemt und Schreeb. Hauptdarsteller: Michael Degen, Claudia Wedekind, Dieter Eppler, Herbert Tiede, Paul Edwin Roth und Hellmut Lange.

Pressetext: »Am 1. Mai 1960 wird der US-Pilot Francis G. Powers beim Überfliegen der Sowjetunion abgeschossen. Die Weltöffentlichkeit wird auf die schon seit längerer Zeit erfolgten Spionageflüge, die die Vereinigten Staaten mit der dafür geeigneten U2 durchführen, aufmerksam; und selbst in der Sowjetunion mischt sich in den Triumph über den Erfolg der eigenen Luftabwehr die Bestürzung über die bisherige Machtlosigkeit gegenüber einer derart unbekümmerten Aufklärung des Gegner.

Chruschtschow benutzt den Fall, Amerika eine politische Niederlage zuzufügen. Die einzelnen Umstände des Abschusses werden solange verheimlicht, bis sich die amerikanischen Dienststellen in unkluger Weise dementierend festgelegt haben, so dass sie nun vor aller Welt der Lüge überführt werden können. Dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower bleibt nichts anderes übrig, als sich persönlich zu dem Unternehmen zu bekennen. Der sowjetische Ministerpräsident aber hat damit die Möglichkeit, das ihm unangenehme Pariser Gipfeltreffen zu sprengen und Amerika vor dem Forum der Vereinten Nationen scharf anzugreifen.

Auch in Amerika selbst sehen sich der Präsident und Allen Dulles, der Chef der CIA, einer herben Kritik ausgesetzt. Manche Senatoren wollen nicht mehr wahrhaben, dass sie es waren, die den Auftrag zu einer wirkungsvollen Überwachung der gegnerischen Kriegsausrüstung erteilten, die sie jetzt als unverantwortlich abqualifizieren wollen. Letztlich wird die in den Vereinigten Staaten ständig latente Spannung zwischen Moral und Staatsräson deutlich.« In Berlin wird die Affäre wegen einer lokalhistorischen Note immer unvergessen sein:
Powers wurde nach seiner Haftzeit an der Glieniker Brücke zwischen Berlin und Potsdam filmreif gegen den sowjetischen ›Meisterspion‹ Abel ausgetauscht.

Fünfzig Serien für das ›Wiesbadener Tagblatt‹

Die Interessen des vielseitigen Autors Hans Dieter Schreeb zeigen sich in seinen Büchern wie in seinen Arbeiten für Funk und Fernsehen. Sehr deutlich werden sie aber auch in den fünfzig Serien, die er in den letzten Jahren für das ›Wiesbadener Tagblatt‹ verfasst hat.

Es waren unter anderen Darstellungen von Jahren, die die Welt und die Menschen veränderten: 1919, Die Weltwirtschaftskrise von 1929, 1933 (in ›Das erste Jahre der NS-Diktatur‹), 1945 in ›65 Jahre Amerikaner in Wiesbaden‹ (gedruckt 2010). Zu den Tagblatt-Serien (meistens zehn Teile) von Hans Dieter Schreeb gehören Biografien der Hildegard von Bingen oder der Herzöge von Nassau ebenso wie eine spannende Lebensbeschreibung der Anarchisten, die 1876, bei der Einweihung des Niederwald-Denkmals in Rüdesheim, die Spitzen des Deutschen Reiches in die Luft sprengen wollten und nur an der eigenen Armut scheiterten. Der Rhein und was sich in den letzten zweitausend Jahren auf dem Strom abgespielt hat, waren immer wieder Themen von Serien: In ›Poetensommer‹ wurden zum Beispiel die Rheinromantiker porträtiert, in einer anderen Serie erfuhr man vom Leben auf den gewaltigen Flößen, die im 17. und 18. Jahrhundert den Rhein befuhren: Bis zu 700 Mann Besatzung! Eine Darstellung der ehemaligen ›Irrenanstalt‹ Eichberg im Rheingau fand ebenso viel Beachtung wie die Geschichte des Bistums Limburg oder der ›Filmstadt Wiesbaden‹.

Der Reiz (und der Erfolg bei den Lesern) liegen darin, dass es Hans Dieter Schreeb gegeben ist, längst verflossene Zeiten zu beschreiben, als seien sie erst gestern zu Ende gegangen. Womöglich sind sie auch nie zu Ende gegangen …

Phantasievoll bis ins Detail

»Phantasievoll bis ins Detail« So lobte DIE ZEIT   ARD, Sonntag, 21. September 1980: „Tote reisen nicht umsonst", von Hans Georg Thiemt und Hans Dieter Schreeb Na bitte, es geht also doch: „Tatort", des deutschen Sonntagssehers liebstes Kind, braucht nicht, weil es die Schluderei der Stückeschreiber und die Publikumsverachtung der Fernsehfunktionäre so will, an Qualitätsschwund zu sterben. Ein einziges intelligentes Drehbuch und der rapide Verfall verliert den Charakter von Gesetzmäßigkeit. Jawohl, so soll es sein — so wie das Team Schreeb, Thiemt und Sydow (die ersten beiden verantwortlich für den Text, der letzte für die Regie) einen Plot mit Konsequenz und Einfallsreichtum, Witz und Ironie (es gab eine Fülle von schön photographierten Krimi-Standards: aber zitathaft und in Anführungszeichen!), mit Sinn für atmosphärische Details und phantasievollem Weiterdenken vorgegebener Situationen durchexerzierte. Die Konstruktion verschiedener Wissens-, Vermutungs-, Täuschungsebenen: selten war sie so exakt wie in „Tote reisen nicht umsonst" überlegt. Im Unterschied zu alltäglicher Thrillerware, wo sich die Spannung entweder aus der Suche nach dem Unbekannten oder der Ergreifung des von vornherein bekannten Täters ergibt, lag der Reiz dieses außerordentlichen .Denkspiels aus Saarbrücken darin, daß der Betrachter am Bildschirm den Täter zwar von Anfang an kannte, sich aber über die Tat (scheinbar Raub, in Wahrheit Mord) im unklaren war. Daß er einen Plan und dessen potentielle Durchkreuzung verfolgte, ohne zu wissen – so wenig .wie die Akteure mit Ausnahme des Täters), auf welchem Verbrechensniveau hier gespielt wurde. Als dies deutlich wurde und die Karten auf dem Tisch lagen, erhielten die vorgeführten Planelemente plötzlich eine neue Dimension, wurde die Komplizin zum Opfer, und die liebenswert mit Hilfe persiflierter „Tatort-Topen" geschilderte Polizei (alleweil auf der falschen Spur, die zur richtigen führte) übernahm die Rolle strafender Gerechtigkeit, ohne darum die burlesken Züge zu verlieren. Kleinbürgerlich und schmuddelig, wacker und stinknormal: Endlich einmal eine Polizei ohne den ach so genialen oder ach so humorig gefühlvoll sich tarnenden Meister vom Morddezernat, den nach Tarif und nicht nach Leistung bezahlten, Herrn mit dem klugen Kopf und dem prallen Charakter. Nicht so die Saarbrückener: Sie bieten einen Spießer auf (glänzend interpretiert von Manfred Heitmann) und mokieren sich im übrigen über das Don-Quijote-und-Sancho-Pansa-Schema der Tatörter nicht ohne Geist.

Im Deutschland Radio

In seiner Reihe „Deutschlandrundfahrt“ bringt Deutschlandradio Kultur am 13. Dezember 2008 ab 15:05 Uhr eine Livesendung aus Wiesbaden: „Aquis Mattiacis“, an der auch Hans Dieter Schreeb teilnimmt. Er spricht über „Wiesbadens große Zeit“. Kurdirektor Henning Wossidlo, Iris Limbarth, Eva Schuster und Thomas Freiherr von Stenglin sind die übrigen Gesprächspartner. Moderation der Sendung: Shelly Kupferberg.

In der Reihe ›ZDF History‹ gibt Hans Dieter Schreeb Auskunft über die chinesische Kaiserin Cixi, die sogenannte ›Kaiserin-Witwe‹.

Auf dem Drachenthron In der Reihe ›ZDF History‹ gibt Hans Dieter Schreeb Auskunft über die chinesische Kaiserin Cixi, die sogenannte ›Kaiserin-Witwe‹, ihr geheimnisumwittertes Leben und ihre ungewöhnliche Art, Politik zu machen. Als sachkundiger Autor des Ullstein-Romans ›Hinter den Mauern von Peking‹ wurde er zum Thema befragt. Dieses Interview ist Teil einer Sendung über berühmte Konkubinen; Titel: »Meine teure Geliebte - Die Mätressen der Geschichte«. Die Sendung wird am Sonntag, 16. Dezember 2007, 23.30 Uhr, ausgestrahlt.

Kulturpreis der Stadt Wiesbaden an Autor Schreeb

(red) WIESBADEN Der Wiesbadener Schriftsteller, Drehbuch-,Theater- und Hörspielautor Hans Dieter Schreeb erhält in diesem Jahr den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden. („Preis zur Förderung des kulturellen Lebens“). Dies beschloss die Jury unter Vorsitz des Kulturdezernenten Wolfgang Herber. Neben dem Kulturdezernenten gehörten Rose-Lore Scholz (CDU), Olaf Bayer (Grüne), Helmut Nehrbaß (SPD), Michael Schlempp (FDP) sowie der Leiter des Kulturamtes, Arno Fischer, der Jury an. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. „Hans Dieter Schreeb zählt seit vielen Jahren zu den versiertesten Schriftstellern in der Region. Er hat es verstanden, in seinem literarischen Œuvre spannende Erzählungen mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Wiesbaden zu verbinden“, betont Stadtrat Herber und führt weiter aus: „Ich freue mich besonders darüber, dass nach vielen Jahren wieder einmal ein Literat mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wird. Dies unterstreicht auch die positiven Entwicklungen in dieser Sparte, die insbesondere durch die Gründung des Literaturhauses eingeleitet wurden“.

Wiesbadener Kurier
Wiesbadener Tagblatt,
Samstag, 24. September 2005

Auszeichnung: Hans Dieter Schreeb erhält Kulturpreis 2005

Wiesbaden. Der Kulturpreis 2005 geht an den Wiesbadener Schriftsteller, Drehbuch- , Theater- und Hörspielautor Hans Dieter Schreeb. Das teilte der Kulturdezernent Wolfgang Herber (SPD) am Freitag mit. Der Termin für die Verleihung steht noch nicht fest. Der ›Preis zur Förderung des kulturellen Lebens‹ ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Jury entschied sich laut Herber für Schreeb, weil er »seit vielen Jahren zu den versiertesten Schriftstellern in der Region gehört«. Er habe es verstanden, spannende Erzählungen mit Bezügen zu seiner Heimatstadt Wiesbaden zu verbinden. So in dem Buch ›Millionenstudien‹, wo es um die Erlebnisse von Eduard Douwes Dekker alias Multatuli in der Wiesbadener Spielbank geht. Weitere Werke Schreebs sind ›Hotel Petersburger Hof‹, ›Hinter den Mauern von Peking‹ und ›Primadonna‹.

Frankfurter Rundschau, 24. September 2005

Neuer Roman in Arbeit: ›Äquatortaufe‹

Hans Dieter Schreeb arbeitet an seinem neuen Roman ›Äquatortaufe‹.

Suchte man für dieses Buch einen Untertitel, so könnte er lauten: ›Liebe in wirren Zeiten‹.

Im Kern wird das Schicksal zweier Frauen erzählt: das von Nelly Caspary und ihrer beinahe gleichaltrigen Nichte Karla Marché. Und erzählt werden die vierzig Jahre zwischen 1914 und 1954.

Der Roman zeigt Frauen, die sich alles von der Liebe und den Männern erwarten, und Männer, die sich ihr Glück von der Politik und in der Politik erhoffen.

Die Geschichte ist, beinahe zu gleichen Teilen, in Deutschland und in Brasilien angesiedelt. Genauer gesagt: Sie spielt zu großen Teilen in Ingelheim am Rhein, einer alten Weinbaugemeinde in Rheinhessen, und in Rio Grande do Sul, der südlichsten Provinz Brasiliens, einem wilden, rauen Land. Hier wie da sind die handelnden Personen zum größten Teil Deutsche. Das Brasilien, das gezeigt wird, ist genau so vergangen wie das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, das Dritte Reich. Ja, selbst die Fünfziger Jahre haben sich bereits verflüchtigt und nur einige Klischees hinterlassen wie das ›Wunder von Bern‹ und die ›Buttercreme-Torte‹. Entsprechend wird für die jüngeren Leser vieles neu sein, bei den älteren wird sich ein ›Deja-vu‹-Erlebnis einstellen.

Insgesamt ist die Geschichte wie die beschriebene - Tragödie und Komödie gleichzeitig. Alles ist überspitzt und überhitzt. Wirre Zeiten sind eben unübersichtlich, gewalttätig, chaotisch, und die Menschen, die sie erleben, werden unweigerlich in die allgemeinen Narreteien verstrickt, die später von den Schulkindern als ›Weltgeschichte‹ gepaukt werden müssen.

Oder, wie es Joseph Joubert formuliert hat: »Revolutionen sind Zeiten, in denen der Arme seiner Rechtschaffenheit, der Reiche seines Reichtums und der Unschuldige seines Lebens nicht sicher ist.«

Nelly Caspary wird - sozusagen durch Zufall - Anfang April 1914 in der Nähe von Bento Gonçalves in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul geboren, auf dem Weingut ihres Halbbruders Viktor Caspary und ihrer Schwägerin Téris.

Sie wächst teils in Brasilien, teils in Deutschland auf. Als Erwachsene ist Nelly eine kleinere, muntere Frau, unkonventionell, mutig und immer für die Liebe bereit.