Traumreisen

1. April 2001

Komödie

Volker Weber ist in erster Linie ›Touristiker‹; Geschäftsführer des ›Reisebüros Kantstraße Traumreisen‹ in Berlin. Und Frauenheld.
Gegen dieses Etikett wehrt er sich ebenso wie gegen die damit verbundenen Behauptungen. Nein, nicht er macht die Frauen kirre; sie bedienen sich seiner. Schamlos. Hemmungslos. Er sieht sich in erster Linie als Reisekaufmann. Nur in diesem Zusammenhang würde er die Vokabel ›Verführer‹ gelten lassen. Nach seiner Vorstellung ist ein idealer Touristiker: »… in erster Linie Verführer; verlockt mit schönen Worten; treffenden Bildern ... lässt Weihrauch und Myrrhe aufsteigen ... zaubert den Duft von Rosen und Zypressen ... Wie ich den echten Touristiker sehe – das ist eine Mischung aus Psychologe und Märchenerzähler. Was will denn der Reisende? Tausend und eine Nacht! Wenn ich das schon erlebe ... Kommen in den Laden, sagen geknickt: ›Meine Frau und ich würden gerne vierzehn Tage Harz ...‹ Und ich sehe mir den Mann an, denke, von wegen Harz! Wenn du könntest, wie du wolltest ... Dich lockt der Orient! Tausend Jungfrauen! Der Glutofen der Nefud-Wüste ... Herr über Leben und Tod!«
Und so weiter.
Über die Usancen der Reisebranche könnte Volker Weber Tag und Nacht fabulieren. Man lässt ihn jedoch nicht. In diesem Stück wird er geliebt, gejagt, missbraucht von Anne-Sophie Steinberg, seiner ›besten Kraft‹, von Wilma, einer alten Freundin, die selbst sehr unter Druck steht, von Marianne, einer ehemaligen Geliebten und von zwei Killern der Mafia. Von denen wird er allerdings nur gejagt. Zum Schluss stellt sich heraus, sie sind auch keine Killer, sondern Undercover-Agenten einer Spezial-Einheit der Carabinieri. Für Volker macht’s keinen Unterschied.
Seine liebenswerte Frau Katharina hat noch am meisten Verständnis für ihn; sie sieht ihm viel nach, fast alles. Am Ende reicht es allerdings auch ihr: Da taucht sie mit der Axt in der Hand in seinem Liebesnest auf, einem Appartement, nicht weit von der Kantstraße entfernt. Wegen einer bautechnischen Besonderheit hört es sich jedes Mal an, als rattere die S-Bahn durchs Bett, wenn sie in Wirklichkeit nur am Haus vorbeidonnert ...
Katharina sorgt hier für Tabula rasa: Alle Geheimnisse werden aufgedeckt, alle Verbrechen geklärt und das Ende vom Lied ist, dass Volker in Acapulco, diesem Traumort eines jeden wahren Touristikers (»Ah, Acapulco – wunderbares Meer, schöne Strände, tolle Nachtclubs ... Eine laue Brise vom Pazifik kühlt deine glühende Haut ... Die Sonne versinkt langsam im Meer, allmählich vereinen sich die Lichter der Stadt zu einer schimmernden Sinfonie in Blau...« und so weiter und so weiter), dass Volker also hier sein nächstes Glück findet.
Eine Komödie über die Nacht- und Schattenseiten der Liebe mit sieben Rollen und zwei Carabinieri.