Frau mit Pelz

6. Juli 2005

Volksstück

In diesem Volksstück von Hans Dieter Schreeb geht’s ums Sterben und Erben, wobei beides komplizierter ist, als man auf Anhieb denken würde.

Um die Personen vorzustellen: Die alte Frau Runkel wohnt schon seit Jahrzehnten in einer kleinen Wohnung unterm Dach und kann sich nur noch schwer bewegen; der Gang zum Clo ist für sie schon ein Ausflug. Ihre einzige Passion ist das Fernsehen, speziell Krimis. Außerdem tratscht sie gerne mit Karl Koehler, einem geschwätzigen, gutmütigen und bauernschlauen Menschen. Seine Frau, das Friedchen, und seine Schwägerin, die Edith, betreuen die alte Frau Koehler, bringen ihr drei Mal am Tag Essen rauf, einmal warm, zweimal kalt. Im Hauptberuf betreiben die Koehlers im Erdgeschoss des Hauses ein ›Wasserhäuschen‹, eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Kiosk.
Ansonsten ist noch Erwin Limbach für die Geschichte wichtig. Er ist Polizist, Hausbesitzer und Herzensbrecher und sehr von sich eingenommen. Bei Frau Koehler hat er neuerdings einen Stein im Brett, wobei die Stein und Bein schwört, sie würde niemals… Edith, ihre Schwester, schüttelt sich sogar bei dem Gedanken, sie mit Limbach ... Edith hat ihrerseits ein Verhältnis mit einem Italiener, der sie auf Händen trägt. Und mit dessen Bruder. Aber das Wahre ist das alles nicht.

Was nun das Sterben angeht: Im ersten Teil der Geschichte ist Frau Runkel zweimal ›scheintod‹ (tatsächlich eine exakt umrissene medizinische Kategorie!) und endlich tot. Man kann sich vorstellen, wie viel Aufregungen mit dem jeweiligen Hinscheiden und der jeweiligen Auferstehung verbunden sind.
Im zweiten Teil, nachdem Frau Runkel dieses Jammertal definitiv verlassen hat, geht’s um das Ölbild ›Frau mit Pelz‹, ein etwas schwüles Gemälde, ein echter Rauch. Es zeigt möglicherweise Frau Runkel in jungen Jahren und ist das einzige Wertstück, das sie hinterlassen hat. Zu Lebzeiten hat sie es – mehrfach und unter Zeugen! – den Koehlers versprochen, aber die haben natürlich nichts Schriftliches in der Hand. Nun beansprucht es die Tochter von Fran Runkel. Sie ist eine kleine, giftige Person, Lehrerin. Das sagt wohl alles. Karl trickst und lügt, wie man es von ihm erwarten kann, und die Dinge verwirren sich mehr und mehr. Man sieht sich schon im Gefängnis, dann kommt es zu einer verblüffend einfachen Lösung … Auch Ediths Herzensangelegenheiten ordnen sich und sogar die ihrer Schwester.

Insgesamt ist ›Frau mit Pelz‹ bei aller Turbulenz auch realistisch