Was ansteht

29. September 2016

Radio Rheinwelle, der Lokalsender für Wiesbaden, Mainz und Umgebung, stellte am 16. September 2016 die neuesten Arbeiten von Hans Dieter Schreeb vor. Üblicherweise berichtet Schreeb an dieser Stelle einmal im Monat eine Stunde lang aus Berlin und wie er die Stadt sieht. Hier der Inhalt des Interviews:

Einerseits ist ja eine Stunde Selbstlob auf Radio Rheinwelle ein bisschen peinlich, andererseits warum nicht?

Es gab mal eine Zeit, in der ich – laut einer Untersuchung der Bundeszentrale für politische Bildung, damals noch in Bonn – zusammen mit meinem Partner Hans Georg Thiemt zu den meist beschäftigten Autoren des deutschen Fernsehens zählte. In dieser Untersuchung erreichten wir den ehrenvollen dritten Platz.

Das liegt nun schon Jahrzehnte zurück, aber ich zehre noch heute von dem fernen Ruhm und Schaffen: Zum Beispiel wird die Serie ›Der Kurier der Kaiserin‹ ab Freitag, den 21.10.2016, erneut im Programm von ORF III – also in Österreich – ausgestrahlt. Zum x-ten Mal; ganze Generationen sind damit aufgewachsen, und hoffentlich werden noch viele weitere Generationen die Abenteuer von Klaus Jürgen Wussow erleben dürfen. Wussow ist schon eine Weile tot – ein sehr guter Burgschauspieler, ehe er Kurier der Kaiserin Maria Theresia und später der Chef der Schwarzwaldklinik wurde.

Mit ›Kurier der Kaiserin‹ hat Wussow übrigens seine Fernseh-Karriere begonnen, und das Farbfernsehen in Deutschland auch.

Im letzten Jahr wurde in der Murnau-Stiftung in Wiesbaden ein ZDF-Fernsehspiel vorgeführt, das ich in den Siebziger Jahren geschrieben hatte ›Die Fahrt nach Schlangenbad‹. Erstaunlicherweise ist es immer noch sehenswert. Ein anderes Fernsehspiel ›Die U2-Affäre‹wurde vor einigen Jahren bei Phoenix wiederholt und von der Presse behandelt, als sei es ein neues Stück. Dabei hatte es auch schon Jahrzehnte auf dem Buckel. Bei der Geschichte ging es um den mittlerweile legendären Abschuss des amerikanischen Spionageflugzeuges U2 über der Sowjetunion und den Austausch des Piloten Francis Gary Powers gegen den russischen Topspion Abel, in Berlin, auf der Glienicker Brücke, die merkwürdigerweise zur Hälfte heute noch in West-Berliner Dunkelgrün und zur Hälfte im helleren DDR-Grün gestrichen ist. Steven Spielberg hat die Geschichte unter dem Titel ›Bridge of Spies‹vor einem Jahr verfilmt. Tom Hanks spielt da die Hauptrolle; Michael Degen war in meiner / unserer Geschichte aber auch hervorragend.

Eine Reihe meiner / unserer alten Serien – ich neige dazu, die Rolle meines Partners Hans Georg Thiemt zu reduzieren, je länger unsere Zusammenarbeit nun zurückliegt – sind auf DVD im einschlägigen Handel zu finden. In Kürze bringt eine Tochterfirma des NDR erneut die Serien ›Drei Frauen im Haus‹ und ›Vier Frauen im Haus‹ auf DVD heraus. Diese Serien mit Magda Schneider, der Mutter von Romy Schneider, erzählen das Leben in einer kleinen Autowerkstatt und die Besonderheit war und ist, dass hier einige Frauen als Gesellen und Lehrlinge beschäftigt sind. Das ist immer noch ungewöhnlich.

Dieser Grundeinfall erklärt vielleicht ein weiteres Kuriosum, das mit der Neuauflage der Serien verbunden ist: Vor genau sechs Jahren brachte eine andere Firma die Serien schon einmal in den Handel. Und wenn man die zahlreichen Besprechungen bei Amazon liest, kann man sich als Autor nur wundern und freuen: Die Besprechungen sind so positiv, dass man sich sagt, die meisten Kollegen werden so etwas niemals zu lesen bekommen.

Eine andere Kuriosität: Die ARD bringt sozusagen als Sammelband die besten ›Tatort‹-Folgen heraus. Zu den vier besten Tatort-Folgen der Achtziger Jahre rechnet die ARD auch meinen/unseren Film ›Tote reisen nicht umsonst‹. Laut Internet ist dies der 116. Film der Krimireihe und der fünfte vom Saarländischen Rundfunk produzierte Tatort. Die Erstausstrahlung fand am 21. September 1980 statt.

Das Komische ist nun: Auch für die Tatorte der Achtziger Jahre gibt es eine spezielle Box zu kaufen. Unser Film wurde dafür ausgewählt und wir werden auf dem Cover auch aufgeführt, doch leider sind wir bei der Pressung vergessen worden – eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass nur vier Filme vorgesehen waren. Zum Glück kann man ›Tote reisen nicht umsonst‹ aber auch einzeln kaufen. Ist also eher zu empfehlen, wenn man diese Geschichte von uns sehen will.

Meine Karriere als Fernsehautor habe ich zu großen Teilen meiner Großmutter Frieda zu verdanken, der ich in den Romanen ›Hotel Petersburger Hof‹ und ›Gute Jahre‹ ein Denkmal gesetzt habe. Wobei ›Gute Jahre‹ im letzten Jahr erschien, 2015 also und fast zwanzig Jahre nach ›Hotel Petersburger Hof‹, das damals so reüssierte. Meine Großmutter hatte mich sozusagen zum Südwestfunk in Baden-Baden vermittelt, wo ich am Ende der Fünfziger und zu Beginn der sechziger Jahre insgesamt vier Jahre lang sehr junger Redakteur des Werbefernsehens war. In dieser Zeit geriet ich ans Schreiben von Fernseh-Manuskripten. Meine ersten – kleinen – Serien wurden schon ausgestrahlt, als ich noch Redakteur des SWF-Fernsehens war.

Soweit zur Vergangenheit, die immer noch in die Gegenwart hineinreicht.

Zurzeit arbeite ich an dem Musical ›Zeppelin‹, Idee und Musik Ralph Siegel. Das Musical zeigt sowohl entscheidende Szenen aus dem unglaublichen Leben des Grafen Zeppelin als auch den Untergang des Luftschiffs LZ 127 in Lakehurst im Jahre 1937. Diese Katastrophe zählt zu den großen Unglücken der Menschheit und hat sich entsprechend ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wie die Zerstörung von Pompeji oder der Untergang der Titanic. Der Brand in Lakehurst (nahe New York) bedeutete außerdem das Ende der sehr florierenden Touristik mit Luftschiffen.

Wenn man einmal ins Internet geht, kann man nur staunen, was Ralph Siegel alles geleistet hat. Die Liste der Musiker, mit denen er gearbeitet hat, hört einfach nicht auf. Umso mehr rechne ich es mir als Ehre an, dass wir nun in einer Weise zusammenarbeiten, als hätten wir unser Leben lang nichts anderes gemacht. Es ist eine reine Freude. Ich schreibe die Szenen und schlage vor, über welche Inhalte man in den einzelnen Szenen singen könnte. Umso verblüffter bin ich dann, wenn Ralph Siegel die Vorschläge aufgreift und wunderbar passende Songs und packende Musik entstehen.

Ich habe in den knapp sieben Jahren, in denen ich nun in Berlin lebe, Textbücher zu mehreren Musicals geschrieben. Es hängt viel damit zusammen, dass meine Agentin (und Trauzeugin) Bettina Weyers die Chefin der Medienagentur Gallissas ist. Sie hat sich mit ihrer Medienagentur auf Musicals spezialisiert und sich damit in wenigen Jahren einen enormen Erfolg erarbeitet. Ich kann ihre Leistung nur bewundern. In sehr kurzer Zeit hat sie weltweite Verbindungen aufgebaut. Ihre Geschäftsräume in der Potsdamer Straße sind in sich sehenswert: Es existiert dort sogar ein eigener Aufführungssaal.

Für mich bedeutet das: Im nächsten Jahr wird entweder auf einer neuen, großen Seebühne in Mörbisch oder in Wien selbst Premiere meines Musicals ›Heidi‹ sein; Musik und Songs Michael Schanze. Wenn auch die Termine noch nicht endgültig feststehen, sicher ist: ›Heidi‹ hat in Wien Premiere (im renommierten Museumsquartier) und geht anschließend auf Tournee, möglicherweise auch durch Deutschland. Im Jahr darauf wird es auf einer neuen Seebühne im österreichischen Rust zu sehen sein.

Das Musical ›Kohlhiesels Töchter‹, zu dem ich ebenfalls das Textbuch geschrieben habe, ist sozusagen in der Endfertigung. Musik Shay Cohen (vom Haus aus Klavierpianist und Dirigent), Songtexte Daniel Call, selbst ein erfolgreicher Autor von Theaterstücken.

Diese Geschichte ist insgesamt acht Mal verfilmt worden und immer mit den zu ihrer Zeit bekanntesten und beliebtesten Schauspielern. Mein Textbuch geht auf die Urfassung des Stoffes zurück: Auf den Stummfilm (und Bauernschwank) diesen Namens von Ernst Lubitsch. Und dieser geht wiederum auf Shakespeare zurück: auf dessen Stück ›Der Widerspenstigen Zähmung‹. Henny Porten spielte die Hauptrolle, genauer gesagt, beide Hauptrollen. Sie spielte sowohl die brave wie die ruppige der Töchter Kohlhiesel.

Dieser Stummfilm wurde 1920 gedreht und zwar einerseits in Bayern und andererseits in den UFA-Studios hier in Tempelhof. Diese Studios existieren immer noch; sie sind nur einige (allerdings sehr lange) Straßen von meiner Wohnung entfernt.

Außerdem schreibe ich die Fortsetzung meines eigenen Hörbuchs ›Lilo Kaminski‹, eine für mich ungewöhnlich wichtige Arbeit. Es ist die Geschichte einer scharfsinnig beobachtenden Mitläuferin in der Nazizeit. Erst erlebt sie die Schrecklichkeiten im sogenannten Generalgouvernement; das war die Hölle, die die Nazis aus Polen gemacht hatten. Im zweiten Teil geht es in die Türkei und im dritten Teil nach Kuba. Der erste Teil des jetzt schon mehrstündigen Hörbuchs erschien vor einigen Jahren und wurde sehr positiv besprochen. Gegenwärtig kann man Lilo Kaminski nur noch im Internet finden. Die Preise für die außerordentlich sorgfältig aufgemachten DVDs schwanken – zwischen 8 Euro und cirka 65 Euro, immer in der Originalverpackung.

Nun arbeite ich also am zweiten Teil des Hörbuchs, der in den Jahren von 1943, 44 bis 1946 in der Türkei spielt und Aspekte der Geschichte Deutschlands und der Türkei behandelt, die heute noch aktuell, ja, durch die gegenwärtig dort stattfindenden politischen Ereignisse höchst brisant sind.

Ich komme damit allerdings nur relativ langsam voran, da sich immer wieder aktuelle Arbeiten vordrängen. Die Probleme liegen jedoch nicht beim Schreiben oder bei der angedachten Produktion des Hörbuchs, es wird nicht ganz einfach sein, einen Hörbuch-Verlag zu finden, der sich auf diese diffizile Arbeit einlässt.

Und endlich geht es um die Veröffentlichung und Weiterverarbeitung meines Romans ›Die Einstein Papiere‹, ein Thriller in der Welt der Physik und Physiker, den ich im Auftrag eines Physikalischen Instituts geschrieben und in diesem Frühjahr abgeschlossen habe. Bislang existiert das Buch nur als Text; im Moment wird noch mit verschiedenen Verlagen verhandelt. Ich hoffe, wenn das Buch erst mal herausgekommen ist, eine Fernseh- oder Filmfassung davon schreiben zu können.

Mit einem Wort: An Plänen und Stoffen fehlt es nicht, eigentlich nur an Zeit.