Kaiserzeit

6. November 2011
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»Kaiserzeit« – neu und umfangreicher

Der Bildband »Kaiserzeit – Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque« von Detlef Schaller und Hans Dieter Schreeb erschien 2006 und war nach wenigen Monaten nur noch (zu Schwarzmarkt-Preisen) im Internet zu haben.
Im Herbst 2011, fünf Jahre nach der Premiere, werden die beiden Wiesbadener Verlage Axtmann/Chmielorz und Cicero/Vivart eine wesentlich erweiterte zweite Ausgabe des Bildbandes herausbringen. Auf 48 zusätzlichen Seiten erfährt man Neues und Originelles über die Maifestspiele, die bedeutendsten Wiesbadener Kirchen, das Jagdschloss Platte. Aber auch die Bier-, Wein- und Sektstadt Wiesbaden wird lebendig, und ausgewählte Firmengeschichten zeigen: Hier kaufte der Kurgast ein! Und der betuchte Wiesbadener auch!
Insgesamt erzählt der Bildband genau das, was sein Titel verspricht: Er stellt Wiesbaden und seine Hotels in der Belle Epoque vor. Wiesbaden war in der Kaiserzeit, in den Jahren zwischen 1870 und 1914 also, der Kurort des Kontinents, übertraf in seiner Bedeutung Baden-Baden, Karlsbad oder Aix les Bains, war mondäner als Nizza oder Monte Carlo. Hier lebten ebenso viele Arme der Ärmsten wie Superreiche, zahlreiche Rentiers und Privatiers, die Stadt hatte mithin eine äußerst ungewöhnliche Sozialstruktur.
Das Badhotel und das Badhaus – vor allem ›die Kur‹ – waren eigene Lebensformen mit sehr eigenen Riten. In den Details sind sie uns fremd geworden; in den Texten und Bildern des Buches werden sie wieder lebendig. Man sieht die Fassaden, Empfangsräume, Suiten, Ballsäle, die marmorverkleideten Badezimmer und vergoldeten Treppenaufgänge der Grand Hotels, liest die Speisekarten von Gala-Diners. Gleichzeitig erfährt man aber auch vom Leben der ›dienstbaren Geister‹, wie man damals sagte. Besitzer der ›Privathotels‹ waren oft ehemalige Oberkellner oder gewesene Portiers; die großen Hotels der Stadt gehörten teils Aktiengesellschaften, teils Kommanditgesellschaften. In typischen Beispielen wird der Leser mit Entstehung und Schicksal der bedeutendsten Häuser vertraut gemacht. Man wird über den ›Sonntagsspaziergang‹ und die ›Milchkuranstalten‹ informiert, aber auch über das angemessene Benehmen auf der ›Wilhelmspromenade‹. Mit einem Satz, man erfährt von Alltag und Sonntag in dieser besonderen Epoche.
Der besondere Reiz des Bildbands liegt darin, dass alle Bilder ehemals als (kolorierte) Postkarten begonnen haben. Die Illustration ist dadurch wesentlich lebendiger als bei Schwarz-Weiß-Fotos aus dieser Epoche.