Moselbrück

4. Oktober 2003

Familienserie, Südwestfunk

Die Serie beschreibt das Leben der Winzer an der Mosel. Sie erzählt somit von Menschen, für die der Wein seit Jahrhunderten das Leben bedeutet - von Menschen, die ungewöhnlich konservativ sind, an dem hängen, was sie haben, und es gegen Veränderungen hartnäckig verteidigen. Aber ›Moselbrück‹ ist nicht nur eine Winzer- und Familiengeschichte – die Serie schildert auch viel Alltag im alten Grenzland zwischen Deutschland und Frankreich. Und zwar diesseits wie jenseits der Grenzen, im romantischen Tal der Mosel, im alten Metz und in den Industrierevieren Lothringens ...

Hauptschauplatz ist das Weingut Zerfass in ›Moselbrück‹, einem romantischen Fleck an der Mittelmosel. Seit Generationen befindet sich das Gut im Familienbesitz. Da stirbt der Winzer – wird ›völlig überraschend aus dem Leben gerissen‹. Nach seinem Tod versuchen seine Witwe Hanna, seine Söhne und sein Bruder mit-, aber auch gegeneinander das Beste aus dem Gut und der Situation zu machen. Es stellt sich schnell heraus, Tradition allein garantiert keinen Wohlstand: Das Weingut Zerfass steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten, Hanna muss um seine Existenz kämpfen. Auch gegen ihren Schwager, den renommierten Weinhändler Ludwig Zerfass, der ihr das Leben durch Ränke und Intrigen schwer macht und der das Gut ›schlucken‹ möchte. Glücklicherweise taucht der Betriebshelfer Leo Römer auf. Es stellt sich bald heraus, dass er nicht nur für das Gut eine große Hilfe ist, sondern auch Hanna sehr viel bedeuten könnte ...

Liane Hielscher verkörperte Hanna Zerfass, die Hauptfigur der sehr populären Serie, die schon mehrfach in der ARD ausgestrahlt wurde.

Idee und die Drehbücher der ersten zehn Folgen von Hans Georg Thiemt und Hans Dieter Schreeb.

Der Roman ›Moselbrück‹ erschien sowohl im Hardcover wie im Taschenbuch bei Ullstein. (Ullstein-Taschenbuch Nummer 22090.)

Welt am Sonntag: »Ein Roman aus der Welt der Winzer und Weinhändler, der gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Mosellandschaft ist.«

Was das Fernsehlexikon zur Serie Moselbrück sagt: hier

Leseprobe:

Das Erste, was Hanna in seinem Wohnzimmer bemerkte, war ein Herrenhemd. Es lag auf dem Boden, war offenbar von einer Sessellehne heruntergerutscht.

Sie bückte sich, hob das Hemd auf und legte es auf den Sessel. Strümpfe und Ludwigs Hose lagen, wie hastig abgestreift, auf der Couch, eine leere Weinflasche stand unter dem Tisch (gedrehtes Eisen und eine Platte aus gelblichem Onyx), eine zweite halbleer auf dem Tisch. Ein Fotoalbum lag aufgeschlagen daneben. Aus seinem Schlafzimmer (die Tür stand einen Spalt weit auf) kam ein Geräusch: irgend etwas zwischen Stöhnen und Wimmern. War Ludwig nicht allein? Hatte er jemand bei sich?

Unschlüssig, wie sie sich verhalten solle, tat Hanna einen Moment lang nichts. Sie stand nur da, wartete ab. Sie hatte das Gefühl, gegen ihren Willen ein Geheimnis aufgedeckt zu haben.

Noch einmal rief sie seinen Namen, unsicher jetzt. Es kam ihr vor, sie werde in eine Geschichte verwickelt, mit der sie nichts zu tun haben wollte.

Natürlich hatte es Gerede und Gemunkel wegen Ludwigs Frauen gegeben. Man hatte ihm ein Verhältnis mit einer Packerin seines Betriebes nachgesagt, dann mit der Frau, die das Haus putzte. Die Gerüchte waren verflackert, wie sie aufgekommen waren. Neid war wohl die Ursache gewesen. Neid, weil er die Frauen willkürlich beschenkt hatte, sie den übrigen eine Weile ganz offensichtlich vorgezogen hatte. Ihr Mann hatte nie an diese Geschichten geglaubt. Er meinte (oder wollte es meinen), ein krauser Gedankengang, ein Zweck, den man nicht ergründen könne, habe Ludwig dazu gebracht, diese Frauen so herauszustellen. Und sei es nur der Einfall, seinen Bruder damit zu ärgern. Roland vertrat die Ehrbegriffe seiner Eltern: Ein Zerfass war ein Wesen von höherer Art und hatte sich deshalb nur mit seinesgleichen zu verbinden.

Roland hatte angenommen, schon aus Bequemlichkeit, Ludwig komme ohne eine Frau aus. Sie hatte das nicht gedacht. Sie hatte Hunger bei ihm gespürt, krankmachenden Hunger nach Verständnis und Zärtlichkeit. Nun wartete Hanna auf ein Wort, auf ein Flüstern aus dem Schlafzimmer. Auf einen Beweis, dass Ludwig einen anderen Menschen brauchte. Dann kam es ihr vor, sie lausche. Wie bloßgestellt wandte sie sich um und wollte gehen.

»Hanna«, hörte sie Ludwig hinter sich, »willst du schon wieder weg?«

Ludwig kam in einem wollnen blau und rot gestreiften Bademantel (sie erinnerte sich: Den hatte er schon vor Jahren getragen, als sie ihn nach seiner Schilddrüsen-Operation im Krankenhaus besucht hatte) aus dem Schlafzimmer, nahm mit gelassener Selbstverständlichkeit die Sachen von der Couch, warf sie mit Schwung in das andere Zimmer, schloss danach sorgsam die Schlafzimmertür und forderte Hanna auf, Platz zu nehmen.

»Ludwig, wenn ich störe ... Ich kann morgen ...«

»Ich dachte, du kommst früher.«

»Wir hatten eine Weinprobe. Wollen wir runtergehen?«

»Warum?«, lehnte er ab.

Hanna bestand darauf, das Gespräch unten zu führen, und schließlich gab er ihr nach, ganz so, wie man einem lästigen Kind nachgibt.