Biografisches

Hans Dieter SchreebVolontär und Lokalredakteur bei der Lokalzeitung Ingelheimer Zeitung, Ingelheim. Von 1959 bis 1962 Redakteur beim Südwestfunk (Fernsehen), Baden-Baden, seitdem freier Autor.

Arbeit für Funk und Fernsehen

Jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Hans Georg Thiemt sowohl bei Drehbüchern von Fernsehspielen und Fernsehserien wie bei Funkmanuskripten. In dieser Zusammenarbeit entstanden viele populäre Fernsehspiele und Fernsehserien für ARD und ZDF, insgesamt mehrere hundert Folgen. Bekannte TV-Serien unter anderem: »Der Kurier der Kaiserin«, »Drei Frauen im Haus« und »Vier Frauen im Haus«, »Der Herr Kottnick«, »Patienten«, »Johannes«, »Gesucht wird ...«, »Ich, Christian Hahn«, »Die Männer von Werk B«, »Moselbrück«. Fernsehspiele unter anderem: »Reise nach Schlangenbad«, »Geldsorgen«, »Wir werden Vater«, mehrere Folgen »Tatort«. Zahlreiche Hörfunk-Serien unter anderem: »Ich, Christian Hahn«, »Ich gehe zum Schinderhannes«, »Ein Auto müßte man haben«, »Mein lieber Scholly«, »Der Judenbengel«. Auch im Funk insgesamt mehr als hundertfünfzig Folgen.

Romane unter anderem:

  • Primadonna, Ullstein Verlag, Hardcover, erschienen im August 2001
  • Hinter den Mauern von Peking, Ullstein Verlag, Hardcover und Taschenbuch
  • Hotel Petersburger Hof, Scherz Verlag, Hardcover
  • Hotel Petersburger Hof, Knaur, Taschenbuch
  • Der Bader von Mainz, Ullstein Verlag (Zehn Taschenbuch - Auflagen, zwei Hardcover - Auflagen)
  • Feuerblumen - Das Geheimnis des Caspar Hauser, Ullstein Verlag, Hardcover und Taschenbuch (Die beiden letzten Titel in Zusammenarbeit mit Hans Georg Thiemt.)

Eine Anmerkung der Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mittwoch, 17. August 1994 »Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der literarischen Kultur in Deutschland, dass Autoren, deren vornehmliches Ziel die gut gemachte Unterhaltung auf hohem Niveau ist, im Literaturbetrieb und in den Feuilletons ein Schattendasein führen,während zugleich die Tugenden einer solchen Schreibweise - stimmige Figuren, umfassend recherchierter Hintergrund und geschickte Dramaturgie - bei angloamerikanischen Schriftstellern gepriesen werden. Ein solcher Autor ist der 1938 in Wiesbaden geborene Hans Dieter Schreeb. Und es ist kein Zufall, dass am Anfang seiner literarischen Arbeit das Fernsehen stand.«

Journalistische Arbeiten

Artikel von Hans Dieter Schreeb sind unter anderem veröffentlich worden von: Frankfurter Allgemeine Zeitung Frankfurter Rundschau den Zeitschriften ›Aus dem Antiquariat‹, ›die waage‹, ›Magazin der Tierfreunde‹, ›Wiesbadener Tagblatt‹ und von anderen Publikationen.

Theaterstücke

  • Frau mit Pelz - Volksstück
  • Hauptsache, wir lieben uns - Ein heiteres Weihnachtsstück
  • Spaßgesellschaft - Liebe in den Zeiten der Globalisierung

Charlotte

Wenn ich mir eine Scheibe Brot röste, denke ich an sie; vielleicht nicht immer, aber meistens. Manchmal muss ich nur einen Toaster im Schaufenster sehen, schon fällt sie mir wieder ein – Charlotte, die erste Frau, mit der ich Tisch und Bett teilte.

Das ist ein halbes Jahrhundert her. Ich war damals Anfang zwanzig, junger Redakteur des Südwestfunk-Werbefernsehens in Baden-Baden, sie einige Jahre älter und Cutterin mit einem gewissen Nimbus. Nichts sprach dafür, dass ausgerechnet wir ein Paar werden sollten. Ich trat damals auf wie ein gesetzter älterer Herr (immerhin hatte ich einige prägende Jahre in einem Bischöflichen Konvikt hinter mir), sie wie eine Frau aus den goldenen Zwanzigern. Sie war der ›Garçonne‹-Typ wie aus dem Bilderbuch, selbstbewusst, ohne viel Rücksicht auf die Meinung anderer. Auch finanziell war sie unabhängig; die Arbeit, die sie machte, brauchte sie nicht. Sie besaß eine Villa am Wannsee und den neuesten DKW 3=6 mit sagenhaften 40 PS und Lenkradschaltung. Eigentlich wollte sie sich immer einen Sportwagen zulegen. Ich riet dringend davon ab. Unpraktisch! Viel weniger Auto für viel mehr Geld! Ich darf mir gar nicht vorstellen, wie sich mein Leben entwickelt hätte, hätte sie nicht auf mich gehört und wir wären mit offenem Dach an die Riviera gefahren oder nach Spanien, das von den Trendsettern damals gerade entdeckt wurde.

Aber auch in ihr steckte offenbar viel Bürgerliches. Wenn ich nur daran denke, wo und wie wir Urlaub machten: Einmal in einer französischen Familienpension in Vichy; so typisch französisch, dass sie in jeder ›Monsieur-Hulot‹-Komödie hätte vorkommen können. Um acht Uhr abends wurde gegessen; es gab erst was, wenn alle an ihrem Platz saßen und während des Essens wurde über Gesundheitsprobleme, das Wetter und die Familie gesprochen. Die deutsche Besatzungszeit wurde aus Rücksicht auf uns ausgeklammert, nicht ganz einfach in Vichy, immerhin während des Krieges Sitz der den Nazis zugeneigten Pétain-Regierung. Ein anderes Mal haben wir vier Sommerwochen in der Bretagne verbracht. Ich werde nie vergessen, wie viele Sorten Besteck dazu gehörten, die riesigen Platten ›Meeresfrüchte‹ korrekt zu verputzen. Selbst Hummer lagen wie selbstverständlich auf den Platten, die es damals gab, und die Austern wurden auf silbernen Etageren serviert, kleinen Weihnachtsbäumen ähnlich.

Charlotte zeigte mir allerdings auch Ecken vom Montparnasse, die nicht unbedingt in Reiseführern erwähnt wurden, seltsame kleine Theater mit Zimmern, in die man sich bei Bedarf zurückziehen konnte. Letzten Ende ist Sex Sex und, wie Woody Allen gesagt hat, auch schmutzig, wenn er richtig gemacht wird. Doch soweit ich es erlebt habe, ähnelten die erotischen Abenteuer im Paris von damals irgendwie der Atmosphäre der Familienpension in Vichy.

Eine Woche verbrachten wir auch mal in Charlottes ansonsten leer stehendem Haus am Kleinen Wannsee. Das Grundstück grenzte direkt ans Seeufer und man sah noch die Reste eines Bootsstegs, den ihr ein Verflossener, ein Bauunternehmer, als Geschenk hingestellt hatte. Beim ersten Betreten war der Steg langsam und filmreif unter ihm zusammengebrochen und darüber konnte sie immer noch lachen. Warum Charlotte ausgerechnet von Berlin nach Baden-Baden gezogen war, weiß ich nicht. Wenn sie schon nicht am Wannsee bleiben wollte, dann wäre Hamburg oder München, damals die Film- beziehungsweise bald die Fernseh-Hochburgen in Deutschland, richtiger gewesen. Eigentlich gehörte sie nach Paris.

Heute liest man, die Fünfziger, Sechziger Jahre seien über die Maßen spießig gewesen. Sicher, man konnte theoretisch wegen Ehebruchs zu Gefängnis verurteilt werden und das kam in Ausnahmefällen auch praktisch vor. Dennoch, ich habe diese Zeit anders erlebt. Ein kleines Beispiel: Nach wenigen Wochen ›Ausprobierens‹ waren wir, Charlotte und ich, auf Wohnungssuche. In Lichtenthal, dem ehedem so berühmten Vorort Baden-Badens, wurde uns eine schöne, sehr geräumige Wohnung angeboten. Wir waren unschlüssig, ob wir sie nehmen sollten oder nicht, da brachte die Vermieterin ein damals, vor der Erfindung der ›Pille‹, bestechendes Argument vor: Ihr Sohn sei Arzt und »wenn bei Ihnen was passiert, dann hilft er selbstverständlich gern; darauf können Sie sich verlassen«.

Wir haben die Wohnung nicht genommen und brauchten auch die Hilfe des Arztsohnes nicht und auch keines anderen Mediziners. Wir fanden eine Wohnung in einem hochherrschaftlichen Haus nicht weit vom Sender entfernt. Beeindruckend waren die vier sechseckigen Türmchen, die dazu gehörten. Eins, das mit der schönsten Aussicht auf die Stadt, richteten wir uns als Küche her, ein anderes als Bad. Für Charlotte gab‘s noch ein kleines Arbeitszimmer, wo sie las oder Horoskope für Freundinnen ausarbeitete und schließlich für mich ein Schreibstübchen. 

Es war Charlotte, die mich drängte, es mit dem Schreiben zu versuchen; meine Redakteurstätigkeit konnte ihr nie imponieren. Ich betreute Reisereportagen ›Mit dem Goggomobil um die Welt‹, zwei Folgen zu je zwanzig Minuten und ähnliches. Ich fing erst mal mit dem Schreiben von Drehbüchern an – Minidramen, wie wir sie im Vorabend-Programm ausstrahlten. Charlotte schenkte mir eine Pfeife (damit ich beim Schreiben aussah wie Georges Simenon) und tatsächlich wurden meine ersten Drehbücher schnell akzeptiert und verfilmt.

Mit dem ganzen Hochmut der Jugend und auch mit der ganzen Herzlosigkeit der Jugend trennte ich mich nach vier Jahren von Charlotte. Natürlich gab’s gute Gründe dafür, aber die hatte es schon nach der ersten Woche gegeben. Sie schätzte Dornach, Rudolf Steiner und seine Anthroposophie. Mir war jedes Wort davon ein Graus und die Häuser, die nach diesen Ideen gebaut wurden ebenfalls. Immerhin waren wir uns einig, dass die Le Corbusier-Kapelle in Ronchamp ein Meisterwerk sei und das ist sie ja auch,

Ich habe Charlotte nur noch ein einziges Mal wiedergesehen – vielleicht zwanzig Jahre nach unserer Trennung. Ich schrieb damals mit meinem Partner Hans Georg Thiemt mehrere Fernseh-Serien für den Südwestfunk (und sehr viele Hörfunk-Serien) und wir saßen mit dem Redakteur in der Kantine, als sie hereinkam. Sie sah mich und war von einer Sekunde auf die nächste ›auf hundert‹, um es schnodderig auszudrücken. Ich stand sehr vorsichtig auf und ging auf sie zu wie ein Dompteur auf eine besonders widerspenstige Tigerin. Es gelang mir mit beschwörenden Blicken und beruhigenden Worten den Skandal zu vermeiden, der in der Luft lag … Und alles, was ich noch mal von ihr hörte und las, war ein Brief, den sie mir einige Wochen später zusammen mit einer Dose Kakao schickte. Sie schrieb, den sei sie mir noch schuldig. Nein, wenn jemand in unserer Beziehung jemanden etwas schuldig war und ist, dann bin ich es. In diesem Leben werde ich meine Schuld nicht mehr abtragen können.

Und ehe ich vergesse, warum ich beim Brotrösten an sie denke: Charlotte hat mir einmal die Episode erzählt, wie sie unmittelbar nach dem Krieg von Amerikanern eingeladen worden war und sich auf den Toast freute, der versprochen worden war. Den gab’s auch, aber vor ihren Augen zerfloss und zerschmolz die Butter, auf die sich beinahe noch mehr gefreut hatte. Sie fing an zu weinen und diese Tränen habe ich noch getrocknet

Meine älteste Freundin

Ich liebe Lesungen. Ich weiß, es gibt Autoren, die über Lesungen und Lesereisen stöhnen, andere erzählen davon kleine pikante Geschichten; ich liebe sie schlicht und einfach, die Lesungen. Ich habe lange für Funk und Fernsehen geschrieben, da schreibt man für seinen Redakteur und seine Verwandtschaft, und beide sind nicht von überschwänglicher Begeisterung, wenn man ein Manuskript abliefert oder wenn eine Sendung, die man ›gemacht‹ hat, endlich läuft. Die Sache damals, die mit dem verrückten Ehepaar, die war einfach Klasse, so was hätte man mal wieder schreiben sollen... So ist das Leben.

Kurz und gut, ich liebe es, Publikum vor mir zu haben. Am besten werde ich, wenn mehr Interessierte kommen, als der Veranstalter erwartete. Wenn zusätzliche Stühle in den Raum getragen werden, steigt der Adrenalinspiegel und der Humor auch. Wenn weniger kommen, macht’s mir auch nichts mehr aus. Es ist angenehm, wie die Veranstalter die Schuld bei sich oder dem Wetter oder der Konkurrenz suchen, nie beim Autor. Eine alte Schauspielerin, die vor Lampenfieber kaum auftreten konnte, hat mir einmal gesagt: Ich hasse das Publikum. In der Jugend weiß man nicht, wie es reagieren wird. Im Alter weiß man, wie es reagieren kann... Ich für meinen Teil musste niemals die Bestie Publikum zähmen. Ich habe nie etwas Irritierenderes erlebt, als die beiden Blinden in der ersten Reihe, die reglos dasaßen und sich auf ihre Blinden­stöcke stützten, und als sie am Ende mit den Stöcken Beifall stießen, war mir, als hätte ich einen Orden bekommen.

So weit meine Lebensgeschichte, zur Einstimmung gewissermaßen. Nun der konkrete Fall. Ich hatte vor zwei Jahren eine Lesung im Rheinland, fast schon an der holländischen Grenze. Ich erinnere mich, dass mir der Taxifahrer, als er mich vom Bahnhof zum Hotel brachte, ein Haus zeigte und sagte: Hier! Jetzt kommen wir gleich an dem Haus vorbei, wo Goebbels geboren ist! Ich höre noch den geheimen Stolz in seiner Stimme, als er das sagte. Natürlich sind die Nazigrößen alle mal Lokalhelden gewesen, aber ich hatte nicht geglaubt, dass sie es immer noch sein könnten. Übrigens machte das Haus, in dem er geboren war, der Reichspropagandaminister, nicht viel her; wenigstens nicht beim Vorbeifahren.

Ansonsten alles wie immer: Ein Hotelzimmer mit Minibar und mit Aussicht auf ein Stück Gras, das vorgefertigt ausgelegt schien, später das Taxi, das mich zur Stadtbibliothek brachte, eine moderne Freihandbibliothek, die sich viel Mühe gab, die Hemmschwelle niedrig zu halten. An diesem Abend kamen nicht besonders viele Interessierte, aber auch nicht auffallend wenige. Ich bot mein Programm, erzählte über meinen neuesten Roman und über mich und wie es mit dem Schreiben ist und wie sich die Figuren beim Schreiben selbständig machen; eben das, von dem ich glaube, dass es für Leser interessant sein könnte.

Anschließend kam der Punkt Signieren, gehört ja auch dazu. Man will sich die Weihen des Autors holen und der erteilt sie gern, und an diesem Abend blieb genug Zeit, jeder und jedem das ins Buch zu schreiben, was sie oder er da gerne sehen wollten. Nicht nur ›Für Anna‹ und ›Herzlich‹, sondern nach Möglichkeit noch etwas Persönliches, so als seien sich Autor und Leser seit langem verbunden. Die Schlange wurde kürzer, jeder präsentierte sein Buch; einige waren an diesem Abend gekauft, andere früher, wie das so geht. Ab und an kommt es bei solchen Gelegenheiten zu kleinen erotischen Annäherungen von der Art: Sind Sie morgen auch noch hier? An diesem Abend und in dieser Stadt ergab sich keine Versuchung, und alles näherte sich dem vorgesehenen Ende, dem kleinen Umtrunk mit den Veranstaltern, da legte mir eine nette Frau eins meiner Bücher vor und offenbar war es bereits gelesen und bat mich: »Schreiben Sie bitte rein: ›Für meine älteste Freundin!‹« Nun ist es nichts Besonderes, dass ich aufgefordert werde zu signieren: Für meine Großmutter oder Für Onkel Erwin! Ich erkläre dann (und mühe mich, dabei nicht belehrend zu wirken), dass Onkel Erwin ja nicht mein Onkel ist und die gemeinte Großmutter auch nicht die meinige. Je nachdem ergibt sich daraus ein kleines Schmunzeln oder ein Mini-Dialog wie beim Buchbinder Wanninger. Meine Leserin blieb aber dabei: »Nein, schreiben Sie nur: ›Für meine älteste Freundin‹. Es ist so!«

Irgendetwas in ihrer Stimme oder in der Art, wie sie ihr Anliegen vortrug, sagte mir: Mach es! Sie weiß, was sie sagt. Ich schrieb also: ›Für meine älteste Freundin...‹ und stockte dann und sah sie an, und sie half mir: »Ich bin Rita...« Wie zum Beweis hatte sie ein kleines quadratisches Foto mitgebracht, die Ränder gezackt und sechs mal sechs, ein ehemals beliebtes Format. Das Bild war im Laufe der Jahre gelblich geworden, und ich warf nur einen Blick drauf und alles war wieder da. Natürlich nicht alles, aber das Entscheidende, die Stimmung, der Geruch nach Rosen­ und Gemüsesuppe, die es für mich schon zum Frühstück gab, selbst der furchtbare Ton der Luftschutzsirenen war wieder im Ohr. Auf dem Foto sah man einen kleinen Leiterwagen, die Räder rechts und links von einer Reihe kleiner Rosenbüsche. Und in dem Leiterwagen saß ein etwa dreijähriges Mädchen mit Zöpfen, in einem Kleidchen der Vierziger Jahre. Ein kleiner Junge mit Locken zog den Wagen und meine Mutter stand auf der Treppe zur Haustür und beobachtete die Szene. Das Mädchen im Leiterwagen war natürlich Rita und der Junge mit dem staunenden Gesichtsausdruck war ich als Drei- oder Vierjähriger, damals ›Peterchen‹ genannt. Ich kannte das Foto; ich musste nur einen Blick drauf werfen. Es gehört zu den wenigen aus meiner Kindheit, die noch existieren, und aufgenommen hat es meine Tante Trude mit einer Spiegelreflex-Kamera. Man hielt sie vor den Bauch und sah von oben hinein. Immer, wenn sie uns besuchte, fotografierte sie uns, entweder vor oder hinter dem Haus. Entweder standen wir auf der Treppe oder auf der Terrasse hinter dem Haus, je nachdem wie das Licht war.

Das Foto, das Rita mitbrachte, muss 1941 oder ’42 aufgenommen worden sein. Mein Vater war damals Soldat - ›ein Wehrmachtsangehöriger‹, wie
meine Großmutter das nannte –, und meine Mutter vermietete monatsweise Zimmer im Haus, und Ritas Familie hatte das Zimmer zum Garten, neben dem Badezimmer mit dem hohen schlanken Badeofen, der jeweils rechtzeitig angeheizt werden musste; mindestens zwei Stunden, bevor man baden konnte. An Ritas Eltern habe ich keine deutlichen Erinnerungen, doch an Rita. Sie war damals fordernd; selbstbewusst würde man heute sagen, aber ich denke, sie war vor allem fordernd. Dass ich auf dem Bild den Leiterwagen gezogen
habe, ist kein Zufall; Rita liebte es, gefahren zu werden und ich fuhr sie liebend gern.

Ja, sie hatte Recht, sie ist meine älteste Freundin. Bei ihr habe ich die Ver-legenheit kennen gelernt und die Hilflosigkeit, die man an den Tag legt, wenn man verliebt ist, und den Übereifer mit dem man sich beliebt machen will. Ich erinnere mich, ich musste nachts die Leute im Haus wecken, wenn Bombenalarm war; die Menschen hatten den ganzen Tag gearbeitet und überhörten gern die Sirenen. Dann musste ich an die Türen klopfen und rufen: Fliegeralarm! An Ritas Tür habe ich jeweils angefangen und noch mal geklopft, wenn mein Rundgang durchs Haus zu Ende war. Wir haben während des Alarms unten im Keller gesessen – sie bei ihren Eltern, ich bei meiner Mutter, stumm, wenn auch die Erwachsenen verstummten, und wir haben uns in die Augen gesehen und damals dachte ich, wir hätten uns etwas versprochen.               

Wenn es so war, haben wir es nicht gehalten; wir haben uns aus den Augen verloren und jeder hat sein Leben gelebt, und wäre ich nicht zu einer Lesung eingeladen worden, ich hätte sie nie wiedergesehen.

Nebenbei gesagt hat sie mir im Übereifer einmal den kleinen Finger der rechten Hand in der Tür ihres Zimmers eingeklemmt; sie hatte es vergessen, ich nicht.

Hartmut Boger zum Wiesbadener Kulturpreis

Ich habe heute die Ehre, die Laudatio auf unseren Kulturpreisträger Hans Dieter Schreeb zu halten.

Als er mich vor Wochen fragte, ob ich diese Rolle übernehmen wolle, war das „Ja“ für mich eine  Selbstverständlichkeit. Schließlich haben wir gemeinsam drei seiner Romane in der Stadtbibliothek und in der Villa Clementine vorgestellt. Wir sind sogar zusammen im Kurhaus aufgetreten.

Mit „Hinter den Mauern von Peking“ waren wir richtiggehend auf Tour, waren im Historischen Museum in Frankfurt und in der Kurfürstlichen Burg in Eltville. Unser Auftritt im Wiesbadener China-Restaurant „Peking“, das von der vhs-Dozentin für chinesische Küche Xu Bing geleitet wurde, bleibt in besonders angenehmer Erinnerung.

Von daher glaubte ich also, unseren Preisträger und sein Werk gut zu kennen. Erst im Lauf der Vorbereitungen auf den heutigen Abend wurde mir deutlich, wie umfangreich und vielfältig sich das Schreebsche Gesamtwerk darstellt.

Außer in der Lyrik hat er in allen aktuellen literarischen Genres veröffentlicht: Theaterstücke, Drehbücher für Fernsehspiele, Tatort-Folgen und für ganze Fernsehserien, Hörspiele, Jugendbücher, sechs Romane (zwei davon mit seinem Co-Autor Hans Georg Thiemt). Ein weiterer Roman ist in Vorbereitung, ebenso ein dokumentarisches Buch über Wiesbaden unter dem Titel „KaiserZeit“. Sein Hörbuch „Lilo Kaminski“ ist soeben erschienen.

Ich bitte um Verständnis, dass ich mich in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit auf die Würdigung des Schriftstellers als Romanautor beschränke.

Entgegen den komplexen Erzählformen manches zeitgenössischen Romans habe ich mich für ein herkömmliches Verfahren entschieden, das auch unser Preisträger überaus erfolgreich in seinen Romanen einsetzt, nämlich: mit dem Anfang zu beginnen und mit dem Ende aufzuhören.

Hans Dieter Schreeb wurde 1938 in Wiesbaden geboren als Sohn der Elisabeth Schreeb, geb. Sander aus Paderborn, und des Alfred Schreeb aus Wiesbaden.

Den Doppelvornamen Hans Dieter bekam er, weil in der Nachbarschaft an der Biebricher Allee zwei Frauen zwei Söhne bekamen, von denen der eine Hans und der andere Dieter hieß. Schreebs Mutter Elisabeth: „Was die zu zweit können, kann ich alleine.“

Konsequenterweise wurde er auch zweimal getauft, zuerst evangelisch, später dann katholisch.

Das Haus, in dem er geboren wurde, hieß nach seiner Mutter „Villa Elisabeth“ und stand damals, wo es heute noch steht, in der Gottfried-Kinkel-Straße. Schreeb freut es, dass er in einer Straße geboren ist, die nach dem demokratischen Revolutionär benannt ist.

Sein Vater, der Koch im Hotel Rose gelernt und im New Yorker Waldorf Astoria gearbeitet hat, riet dem kleinen Hans Dieter mehrmals „Eisenbahnrat“ zu werden. Was er damit genau gemeint hat, konnte er seinem Sohn nicht mehr mitteilen. Er ist 1944 in Russland gefallen.

Ganz wichtig für seinen Lebensweg war seine Großmutter Frieda Schreeb. Ihr verdankt er wesentliche Hinweise für seine Berufswahl und Karriere.

Sie war es, die ihm 1955 den Hinweis auf die Volontärsstelle bei der „Ingelheimer Zeitung“ gab, nachdem er nach der Obersekunda vom Mainzer Gymnasium am Schloss abgegangen war. Eigentlich hatte Großmutter ja gewollt, dass er Bischof von Limburg werde, aber damit war nun Schluss. Obwohl er als Messdiener schon gute Voraussetzungen erworben hatte. Auch der jetzige Papst – und jeder vor ihm –  hat mal so angefangen.

Schon im Bischöflichen Internat in Montabaur hat er am Fenster gestanden und zu sich – und der Welt - gesagt: „Ich werde Schriftsteller!“

Ein begeisterter Leser war er schon als Kind: Karl Helds „Die rote Zora“ gehörte ebenso zu seiner Lektüre wie Karl Mays gesammelte Werke. Mit 12 lieh er sich das „Kapital“ von Karl Marx in der Stadtbibliothek, die damals noch am Schützenhof untergebracht war. Das war ihm dann aber doch zu langweilig: zu wenig Handlung, zu wenig Erzählung, dafür zu viel Theorie und abstrakte Belehrung. Der „Schatz im Silbersee“ war da doch spannender.

Natürlich durften Alexandre Dumas’ Musketiere nicht fehlen. An Dumas’ Romanen schätzte er schon damals die gründliche historisch-dokumentarische Grundlage, die seinem früh entwickelten Interesse an geschichtlichen Erzählungen entgegenkam.

Mit 15 ging er dann zu den großen amerikanischen Erzählern über. Hemingway und Faulkner faszinierten ihn. Hemingways „Über den Fluss und in die Wälder“ gehört bis heute zu seinen Lieblingsbüchern.

Im Gymnasium war er bereits in jungen Jahren Redakteur der Mainzer Stadtschülerzeitung „Höfchen“ und interviewte zahlreiche Prominente, darunter den hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn in dessen Dienstvilla in der Rosselstraße, was in der Wiesbadener Presse sehr positiven Widerhall fand.

Wir sehen: günstige Voraussetzungen für den Beruf als Journalist und Schriftsteller.

Wiederum Großmutter Frieda war es, die ihm einen Hinweis auf eine Stelle beim Südwestfunk in Baden-Baden gab. Nach erfolgreich absolviertem Volontariat und 8 Wochen bei der Mainzer Allgemeinen, die die Ingelheimer Zeitung übernommen hatte, wurde Schreeb Programmredakteur beim Südwestfunk-Werbefernsehen.

Erich Dombrowski, Chef der Mainzer Allgemeinen und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen, prophezeite dem gerade 20-Jährigen zum Abschied aus Mainz: „Sie werden ein ganz hervorragender Journalist.“

Inzwischen waren neben vielen anderen Werken der Weltliteratur als Lektüre Virginia Woolfs „Orlando“ und Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ dazugekommen, die bis heute eine große Bedeutung für ihn haben. Die Ausstattung der Schreebschen Protagonistinnen mit einem hohen Maß an kritischer Selbstreflexion ist sicher eine Wirkung dieser Lektüre.

Eine wichtige Erkenntnis Schreebs: „Nur wer gute Romane liest, kann auch gute Romane schreiben.“

Nach 4 Jahren abhängiger Beschäftigung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wo er angefangen hatte, erste Drehbücher zu schreiben, zog es unseren Autor in die Selbstbestimmtheit als Schriftsteller – ein durchaus risikoreiches Unterfangen, das er aber immerhin seit über 40 Jahren erfolgreich pflegt. Er ist einer der wenigen deutschen Schriftsteller von Qualität, der von seinem Schreiben leben kann.

Angesichts der Verdienste Friedas um die Karriere ihres Enkels wundert es einen nicht, dass er ihr in seinem erfolgreichen Heimatroman „Hotel Petersburger Hof“ ein bleibendes Denkmal geschaffen hat.

Ich habe ganz bewusst den Terminus „Heimatroman“ gewählt, weil Schreeb hier über die Stadt schreibt, in der er geboren und aufgewachsen ist, wo er lebt und arbeitet und die über Verwandtschaft, Erinnerungen und Beziehungen seinen Lebensmittelpunkt bildet.

Was sonst ist Heimat? Sicher nicht nur der „Ort, wo man seine Geburt vollzogen hat“ wie einmal ein 12-jähriger Schüler bei einem Aufsatzwettbewerb geschrieben hat, oder der Ort, wo man in den Kneipen Kredit bekommt. 

Den bekommt Schreeb hier sicher vielerorts.

Schreeb lässt seinen Wiesbaden-Roman  allerdings nicht nur in seiner Geburtsstadt, sondern auch in einem definierten Zeitraum spielen – vom Kaiserreich bis zur Nazi-Herrschaft –, zudem stellt er seine handelnden Figuren in einen gesellschaftlichen Kontext, mit dem sie sich auseinandersetzen und sich entwickeln, also ein Entwicklungs- und Bildungsroman, aber  auch ein Zeit- und ein Gesellschaftsroman. Und er ist ein historischer Roman, nicht zuletzt ein Familienroman. Darüberhinaus ist er der einzige Roman, der vollständig in Wiesbaden spielt, sieht man von Hanns-Josef Ortheils „Agenten“ ab, der eher zufällig an hiesigem Ort angesiedelt scheint.

Wir sehen: Schreebs Roman ist charakterisiert durch  die  Zusammenfassung vieler Bestimmungen, die die Einheit des Mannigfaltigen bilden.

Die positive Resonanz auf „Hotel Petersburger Hof“ umfasste denn auch den gesamten deutschsprachigen Raum. Begeisterte Besprechungen gab es bis Wien und Bern.

Auch in seinen Büchern „Hinter den Mauern von Peking“ und „Primadonna“ ist ein Bezug zu Schreebs Herkunftsregion vorhanden. Der – reale ­- Gesandte von Mumm stammt aus dem Rheingau und die – fiktive, allerdings kaum als solche erkennbare – Diseuse Carlotta Vogt stammt aus Frankfurt.

Sein „Bader von Mainz“, in dem ein sehr facettenreiches Bild des Mittelalters entfaltet wird, spielt nicht nur in unserer Nachbarstadt, sondern ist darüber hinaus so gut recherchiert wie anschaulich und lehrreich geschrieben, dass seit Jahren stadtgeschichtliche Führungen angeboten werden, die das Buch zur Grundlage nehmen.

Keine Angst: Ich möchte Schreeb nicht zum Wiesbadener Heimatschriftsteller verkleinern. Wenn er das wäre – oder als solcher wahrgenommen würde – hätte er sicher schon längst die Bürgermedaille in Gold. Ich bin mir gar nicht sicher, ob er die haben möchte.

Er strebt nach Höherem, nach der Anerkennung und Auszeichnung als Schriftsteller, als „poeta laureatus“, die ihm ja heute zuteil wird.

Kennzeichnend für alle Bücher Schreebs sind die bemerkenswert starken Frauen – etwa Frieda, die chinesische Kaiserinwitwe, die Sängerin Carlotta - die er in Hauptrollen auftreten lässt, in ihren Gedanken und Gefühlen beschreibt, in ihrem Handeln und ihren familiären, beruflichen -  und auch in ihren erotischen Beziehungen lebendig werden lässt.

Besonders gut gelingt ihm dies in seinem Roman „Primadonna“, in dem er den an Widerständen reichen Lebensweg der Frankfurter Bürgertochter Carlotta Vogt zur gefeierten Sängerin nachzeichnet. Er versteht es sehr gut, Carlotta mithilfe ihres – fiktiven? – Tagebuchs, als reifende weibliche Persönlichkeit zu charakterisieren, die sich in den Dialogen – etwa mit Pauline Viardot und Iwan Turgenjew – und ihren ehrgeizigen Handlungen entwickelt und entfaltet. Und er zeigt Carlotta als durchsetzungsfähige junge Frau, die in der äußerst männerdominierten Welt des Musikgeschäfts Mitte des 19. Jahrhunderts gegen widrigste Bedingungen ihr Ziel erreicht und zur gefeierten Primadonna wird.

Warum stellt der Autor diese starken Frauen in den Mittelpunkt? Ist es ihm ein Anliegen, positive Frauenrollen als vorbildlich zu präsentieren um damit zur – immer noch nicht vollständig hergestellten - Gleichberechtigung der Geschlechter beizutragen? Oder schätzt er – der hauptsächlich unter, neben und mit starken Frauen Aufgewachsene -  den weiblichen Teil der Menschheit als wahrhaft bessere Hälfte? Oder zielt er – Realist, der er als hauptberuflicher Schriftsteller ist und sein muss - auf das Belletristikpublikum, das zu 80% aus Leserinnen besteht?

Möglicherweise gibt es eine Mischung der Motive. Ich weiß es nicht, kann nur mutmaßen. Hinweise auf die verschiedenen Antwortmöglichkeiten gibt es in all seinen Werken.

Vielleicht gibt auch der Autor selbst Auskunft; oder seine – selbstverständlich starke - Partnerin Gisela Maison, mit der er seit 16 Jahren verbunden ist.

Schreeb hat immer wieder versucht, in seinen zahlreichen Drehbüchern für Fernsehserien Jüdinnen und Juden auftreten zu lassen – ohne Erfolg. Die Figuren waren zwar immer noch in den Werken vorhanden, als er sie in der Ausstrahlung gesehen hat, aber sie waren nicht mehr Juden, sondern beispielsweise Katholiken. Woran lag das? Er vermutet, dass es damit zusammenhing, dass er die jüdischen Menschen als ganz normale Menschen mit all ihren Eigenheiten, Stärken und Schwächen, gezeichnet hat. Das passte offensichtlich nicht in das vorgegebene Bild. Juden mussten wohl ausschließlich als Opfer geschildert werden, ansonsten waren sie nicht medientauglich.

In seinen Romanen, beispielhaft im „Hotel Petersburger Hof“ und im „Bader von Mainz“, hat er das umgesetzt, was er wollte: eine differenzierte Darstellung jüdischer Charaktere, die durchaus Klischees aufgreift, diese aber sogleich kritisiert und in Frage stellt. So lässt er den Bader Matthes kritisch über die Verfolgung und Ermordung der Juden unter Mithilfe der Kirche nachdenken. Frieda lässt er sowohl den Antisemitismus ihres Mannes als auch den ihres Angestellten mit unbeirrbaren Gründen allgemeiner Menschlichkeit kritisieren.

Woher stammt das Interesse des Autors am Jüdischen?

Schreeb reagiert auf die Frage ganz locker und weist daraufhin, dass es möglicherweise eine jüdische Linie in seiner Familie gebe, die er aber bislang nicht weiter erforscht habe. Seine Großmutter, eine praktizierende Katholikin, habe etwa 1943 in ihrem Hotel „Brüsseler Hof“ das Laubhüttenfest gefeiert. Das Jüdische sei ihm durch die Familie und die dort geführten Gespräche  als selbstverständlich vertraut gewesen, nie als etwas fremdes, unheimliches oder gar zu bekämpfendes.

Hans Dieter Schreeb ist ein Bürger unserer Stadt, unserer Region. Und er ist es gerne. Er ist der Überzeugung, dass die Menschen hier besonders mitteilsam und mitfühlend sind - und im durchaus positiven Sinn - überaus gesellig. Er kann sich nicht vorstellen, in einer anderen Gegend Deutschlands, Europas, der Welt, zu leben. Als Gründe nennt er den Weinbau und den Rhein, den großen Strom,  deren Bedeutung für das Leben der Menschen er vor allem in seinem neuesten Werk „Die Krone am Rhein“  - wie stets - kenntnisreich und spannend schildert. Die Geschichte eines Hauses, einer Gastwirtschaft, eines Hotels und der dort lebenden und arbeitenden Menschen - eines Milieus also, in dem sich der Autor bestens auskennt - über den Zeitraum von 500 Jahren zu schildern, steht für sich. Und dies wiederum geschrieben mit der von Schreeb zur Meisterschaft getriebenen Mischung aus gründlich recherchierten Fakten und glaubwürdig eingepasster Fiktion. Neben dem Informations- bzw. Bildungsgehalt, der allen Schreebschen Werken eigen ist, macht die immer wieder wechselnde Erzählperspektive das Werk besonders lesenswert.

Bei unseren Gesprächen habe ich dem Autor auch die FAQs gestellt, die das Lesepublikum besonders interessieren: Wie kommt der Autor zu seinen Stoffen?

Original-Ton Schreeb: „Als Autor muss man jeden Tag professionell-neugierig wie ein Detektiv durchs Leben gehen und fragen: Welcher Stoff wird mir heute geboten?“

Stört es ihn, wenn er von der Presse immer wieder mal als Unterhaltungsschriftsteller bezeichnet wird?

„Nur wenn, wie es in Deutschland häufig geschieht, Unterhaltung herabsetzend gegen Bildung ausgespielt wird.

Wenn aber etwa im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen meine Schreibweise gelobt wird, die durch stimmige Figuren, umfassend recherchierten Hintergrund und geschickte Dramaturgie wie bei den großen angloamerikanischen Schriftstellern bestimmt sei, und dadurch als gut gemachte Unterhaltung auf hohem Niveau gelobt wird, kann ich damit gut leben.“

Warum schreibt Schreeb am liebsten Romane?

Seine Antwort:

„Zum einen finde ich es einfach spannend für mich erstmal einen Stoff zu recherchieren und damit Neues zu erfahren. Und im zweiten Schritt, dann dies in einen Handlungszusammenhang mit Personen – realen wie fiktiven - zu stellen und spannend zu erzählen. Ich habe einfach Freude am Recherchieren, Schreiben, Hervorbringen und Wirken.

Ich teile die Auffassung Orhan Pamuks, dass der Roman  – mehr noch als andere Literaturgattungen - das Denken und das Verstehen schulen und  damit das Einfühlungsvermögen für unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen entwickeln kann – historisch wie aktuell.

Und dafür stehe und schreibe ich.“

Diesen Antworten kann ich – außer Zustimmung – nichts hinzufügen.

Als Laudator bleibt mir jetzt nur noch die angenehme Aufgabe, der Kulturpreis-Jury unserer Stadt für ihre glückliche Wahl zu danken. Meine Damen und Herren, Sie haben Hans Dieter Schreeb mit der Verleihung des Kulturpreises der Landeshauptstadt Wiesbaden sehr geehrt und glücklich gemacht – ebenso wie seine zahlreichen Leserinnen und Leser.

Herzlichen Dank, meine Damen und Herren!

Herzlichen Dank für Dein Werk und herzlichen Glückwunsch für den längst verdienten Preis, lieber Hans Dieter Schreeb!

Die Feierstunde aus Anlass der Verleihung des ›Preises zur Förderung des kulturellen Lebens der Landeshauptstadt Wiesbaden‹ an Hans Dieter Schreeb fand am 7. Dezember 2005 im Festsaal des Wiesbadener Rathauses statt.